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Nierensteine: Jeder Zehnte betroffen – wie Prävention wirklich funktioniert

March 30, 2026

Nierensteine sind häufiger als viele denken: Rund jeder zehnte Mensch in Deutschland erkrankt mindestens einmal im Leben an einer Urolithiasis – und die Häufigkeit nimmt zu. Daten aus großen Bevölkerungsstudien zeigen, dass die Inzidenz in den vergangenen 30 Jahren um etwa 30 Prozent gestiegen ist, parallel zur Zunahme von Übergewicht, Diabetes und westlicher Ernährung [1]. Die gute Nachricht: Nierensteine sind in den meisten Fällen durch einfache Maßnahmen verhinderbar. ## Warum entstehen Nierensteine? Nierensteine entstehen, wenn bestimmte Substanzen im Urin – vor allem Kalzium, Oxalat, Harnssäure oder Phosphat – in so hoher Konzentration vorliegen, dass sie kristallisieren. Der häufigste Typ sind Kalziumoxalatsteine (70 bis 80 Prozent aller Fälle). Ursachen sind unzureichende Flüssigkeitszufuhr, bestimmte Ernährungsgewohnheiten (zu viel Salz, tierisches Protein, Oxalat-reiche Lebensmittel), genetische Veranlagung und Erkrankungen wie Hyperparathyreoidismus oder Gicht [1]. Ein besonderes Risiko: Adipositas und Typ-2-Diabetes erhöhen das Steinrisiko erheblich – über veränderte Harnssäurewerte und sauren pH-Wert im Urin. Die steigende Diabetesprävalenz in Deutschland erklärt damit teilweise den Anstieg der Urolithiasis-Fälle [2]. ## Symptome und Diagnose Die Nierenkolik – ein stechender, wellenförmiger Schmerz in der Flanke, der in die Leiste ausstrahlt – ist eines der intensivsten Schmerzsymptome überhaupt. Kleinere Steine (unter 5 mm) gehen jedoch häufig symptomlos mit dem Urin ab. Diagnostisch zuverlässig ist die Low-Dose-CT des Abdomens (Sensitivity >95 Prozent), die eine Strahlenbelastung von unter 3 mSv hat. Ein Ultraschall des Nierensystems ist als erster Schritt weniger sensitiv, aber strahlungsfrei und gut geeignet für Follow-up-Kontrollen [1]. Wichtig: Jeder erste Nierenstein sollte metabolisch abgeklärt werden – ein 24-Stunden-Sammelurin zeigt, welche Substanzen überkonzentriert sind und ermöglicht eine zielgerichtete Prävention. ## Prävention: Flüssigkeit ist der wichtigste Faktor Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist simpel: täglich 2,5 bis 3 Liter Flüssigkeit trinken, sodass das tägliche Urinvolumen mindestens 2 Liter beträgt. Studien zeigen, dass diese Maßnahme allein das Rezidivrisiko um bis zu 50 Prozent senkt. Empfohlen sind Wasser, ungessüßte Tees und Zitronenwasser (Zitrat hemmt die Kristallbildung) [2]. Weitere evidenzbasierte Maßnahmen: Weniger Salz: Hohe Natriumzufuhr erhöht die Kalziumausscheidung im Urin. Ziel: unter 6 g Kochsalz pro Tag. Moderates Tierprotein: Zu viel rotes Fleisch erhöht Harnssäure und senkt den Urin-pH. Eine pflanzenreiche Kost ist protektiv. Kalzium NICHT reduzieren: Entgegen der Intuition ist eine kalziumarme Diät bei Kalziumoxalatsteinen kontraproduktiv – Kalzium bindet Oxalat im Darm und verhindert dessen Aufnahme. 1.000 mg Kalzium täglich aus der Nahrung sind empfehlenswert [1]. Oxalatreiche Lebensmittel moderat: Rhabarber, Spinat, Nüsse und Schokolade bei bekanntem Oxalatstein nur in Maßen genießen. ## Behandlung: Von abwarten bis Lithotripsie Steine unter 6 mm passieren den Harnleiter in 60 bis 80 Prozent der Fälle spontan innerhalb von 4 Wochen. Begleitet wird das Abwarten durch ausreichend Flüssigkeit und bei Bedarf Schmerzmedikation (NSAIDs oder Opioidanalgetika). Alphablocker wie Tamsulosin können den Harnleiter entspannen und die spontane Steinpassage beschleunigen [2]. Bei größeren Steinen (über 10 mm) oder Komplikationen stehen die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) und die Ureterorenoskopie (URS) zur Verfügung. Für Nierensteine über 20 mm ist die perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL) Standard – ein minimal-invasiver Eingriff unter Vollnarkose. ## Vorsorge und Nachsorge Wer einmal einen Nierenstein hatte, hat ein deutlich erhöhtes Rezidivrisiko: 50 Prozent der Betroffenen bilden innerhalb von 10 Jahren einen weiteren Stein. Deshalb ist nach dem ersten Ereignis eine urologische Nachsorge mit metabolischer Abklärung und individuell angepasster Ernährungsberatung Standard. Urologen und Nephrologen auf bestes.com/services. ## Nierensteine und Ernährung: Was die Wissenschaft sagt Neben der Flüssigkeitszufuhr spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle bei der Steinprävention. Für Kalziumoxalatsteine – mit 70 bis 80 Prozent häufigster Typ – gilt: Oxalatreiche Lebensmittel (Spinat, Rhabarber, Nüsse, Kakao) nicht grundsätzlich meiden, aber bewusst mit kalziumhaltigen Mahlzeiten kombinieren. Kalzium aus der Nahrung bindet Oxalat im Darm und verhindert seine Resorption ins Blut [1]. Für Menschen mit Harnssäuresteinen (Uratsteinen) gilt: Weniger rotes Fleisch, Innereien und Alkohol – alle erhöhen die Harnssäureproduktion. Zitronensaft ist für beide Steintypen hilfreich: Zitrat hemmt direkt die Kristallbildung im Urin. Ein Glas Wasser mit frisch gepresstem Zitronensaft täglich ist eine einfache, kostengünstige Maßnahme [2]. Wer einen ersten Nierenstein hatte, sollte sich beim Urologen einen 24-Stunden-Sammelurin verschreiben lassen – er zeigt präzise, welche Substanzen überkonzentriert sind und welche Ernährungsmaßnahmen individuell sinnvoll sind. Urologen und Nephrologen auf bestes.com/services. Wer Diabetiker oder übergewichtig ist, hat ein erhöhtes Nierenstein-Rezidivrisiko. Eine Gewichtsreduktion verbessert dabei nicht nur den Blutzucker und das Herzrisiko, sondern senkt auch direkt die Harnssäureproduktion und damit das Steinrisiko. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Urologen nach dem ersten Steinereignis sind für Risikogruppen besonders wichtig – eine jährliche Ultraschallkontrolle und Urinstatus-Kontrolle sind dabei Standard. Die Bestes App kann helfen, Trinkmenge und Arzttermine im Blick zu behalten. Nierensteine rezidivieren häufig: 50 Prozent der Betroffenen bilden innerhalb von 10 Jahren einen weiteren Stein. Eine konsequente Nachsorge beim Urologen mit metabolischer Abklärung – Blutbild, 24-Stunden-Sammelurin, Steinanalyse – reduziert das Rezidivrisiko erheblich und ist für Kassenpatienten erstattungsfähig. Wer mindestens 2,5 Liter täglich trinkt und salzarm isst, senkt sein Wiederholungsrisiko nachweislich um bis zu 50 Prozent. --- **Quellen:** [1] Deutsche Gesellschaft für Urologie. S2k-Leitlinie Urolithiasis. 2024. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/043-025.html [2] Türk C et al. EAU Guidelines on Urolithiasis. European Association of Urology. 2025. https://uroweb.org/guidelines/urolithiasis
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