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Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Mirikizumab-Zulassung 2025 und ECCO-Kongress Berlin markieren neues Kapitel der CED-Therapie

March 29, 2026

Im Februar 2025 erteilte die Europäische Kommission die Zulassung für Mirikizumab (Omvoh, Eli Lilly) zur Behandlung Erwachsener mit mittelschwerem bis schwerem aktivem Morbus Crohn, die auf konventionelle Therapie oder Biologika unzureichend angesprochen haben. Es ist der dritte selektive IL-23-p19-Inhibitor in dieser Indikation nach Risankizumab – und ein deutliches Zeichen für den rasanten Wandel, den die Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) derzeit erlebt.

Zeitgleich fand der ECCO-Kongress 2025 (European Crohn's and Colitis Organisation) vom 19. bis 22. Februar in Berlin statt – erstmals auf deutschem Boden. Unter dem Motto „Nachhaltigkeit bei CED und darüber hinaus“ präsentierten Forschende neue Erkenntnisse zur Langzeittherapie, Biologika-Sequenztherapie und frühen Intervention bei hohem Risiko.

CED in Deutschland: 400.000 Betroffene, steigende Inzidenz

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die zwei Hauptformen der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. In Deutschland sind nach Schätzungen des Kompetenznetzes CED rund 400.000 Menschen betroffen. Die Inzidenz steigt seit Jahrzehnten – besonders in industrialisierten Ländern –, was mit veränderter Darmflora, westlicher Ernährungsweise und erhöhter Hygiene in Zusammenhang gebracht wird.

Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt befallen (vom Mund bis zum After) und verläuft schubweise mit Phasen der Remission. Typisch sind transmurale Entzündung, Fisteln, Stenosen und perianale Erkrankungen. Colitis ulcerosa betrifft ausschließlich den Dickdarm, kontinuierlich vom Rektum aufsteigend, mit blutigen Durchfällen als Leitsymptom. Beide Erkrankungen können extraintestinale Manifestationen verursachen: Gelenkschmerzen, Hautveränderungen (Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum), Augenentzündungen (Uveitis) sowie primär sklerosierende Cholangitis (PSC).

Frühe Biologika-Therapie: Was aktuelle Daten zeigen

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus jüngerer Forschung: Der frühzeitige Einsatz von Biologika bei Morbus Crohn senkt die kumulative Operationsrate signifikant. Eine auf dem ECCO-Kongress 2025 diskutierte Metaanalyse belegt diesen Effekt bei Hochrisikopatienten – definiert durch Komplikationen bei Diagnosestellung (Stenosen, Fisteln, perianale Erkrankung) und jungem Erkrankungsalter.

Frühe Intervention bedeutet nicht nur weniger Operationen, sondern auch weniger Krankenhausaufenthalte und bessere Lebensqualität, fasste das ECCO-Leitthema 2025 zusammen. Bei Colitis ulcerosa ist das Bild differenzierter: Hier zeigen einige Analysen kein klares Reduktionssignal bei der Kolektomierate, was weiterer Klärung bedarf. Entscheidend für die frühe Therapieeskalation ist die Identifikation von Hochrisikopatienten: ausgedehnter Befall, hohe Entzündungsaktivität, Steroidabhängigkeit und frühes Erkrankungsalter unter 30 Jahren.

Die neue Therapielandschaft: Biologika und Small Molecules 2025

Die Behandlung von CED hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. TNF-alpha-Inhibitoren (Infliximab, Adalimumab, Golimumab) sind die älteste und am besten dokumentierte Klasse; zahlreiche Biosimilars stehen zur Verfügung, was die Behandlungskosten deutlich gesenkt hat. Vedolizumab (Entyvio, Integrin-Inhibitor) wirkt selektiv im Darm mit gþnstigem Sicherheitsprofil. Die IL-23-Inhibitoren Ustekinumab (Stelara), Risankizumab (Skyrizi) und neu Mirikizumab (Omvoh, zugelassen Feb 2025 für Morbus Crohn) bieten eine weitere selektive Option; die Zulassung von Guselkumab (Tremfya) für Colitis ulcerosa wird 2025 erwartet. JAK-Inhibitoren (Tofacitinib, Filgotinib, Upadacitinib) sind oral einnehmbar mit schnellerem Wirkungseintritt, erfordern aber engmaschiges Monitoring.

Diagnose: Wie erkennt man CED?

Die CED-Diagnose erfolgt durch Koloskopie mit Biopsie, Bildgebung (MRT-Sellink für Dünndarmbefall bei Morbus Crohn, Darmsonographie), Laborparameter (CRP, Leukozyten, Albumin) sowie fäkales Calprotectin als kostengtinstigen Entzündungsmarker, der CED vom Reizdarmsyndrom unterscheiden kann (Sensitivität 83 %, Spezifität 84 % laut Metaanalysen). Wichtig: Zwischen ersten Symptomen und gesicherter CED-Diagnose vergehen in Deutschland im Durchschnitt 2–3 Jahre. Anhaltende Durchfälle über 4 Wochen, Bauchschmerzen, unklarer Gewichtsverlust und rektale Blutungen sollten gastroenterologisch abgeklärt werden.

Psychische Gesundheit bei CED

Angststörungen treten bei CED-Patienten zwei- bis dreimal häufiger auf als in der Normalbevölkerung; Depressionen sind ebenfalls signifikant erhöht. Psychologische Unterstützung, kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und Selbsthilfegruppen (DCCV – Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung) sind integraler Bestandteil einer modernen CED-Versorgung. Stressmanagement und ausreichend Schlaf unterstützen die Krankheitskontrolle in Remissionsphasen.

Alltag mit CED

CED sind chronische Erkrankungen, aber in stabiler Remission ist ein weitgehend normales Leben möglich. Regelmäßige Kontrollkoloskopien sind bei langjähriger Colitis ulcerosa wichtig (erhöhtes Kolonkarzinom-Risiko). Impfstatus aktuell halten: Biologika und JAK-Inhibitoren erhöhen das Infektionsrisiko; Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken und COVID-19 werden vor Therapiebeginn empfohlen. Mikronährstoffdefizite (Eisen, Vitamin B12, Vitamin D) regelmäßig laborchemisch kontrollieren. Gastroenterologen und CED-Zentren in der Nähe sind auf bestes.com zu finden.

Quellen: EC Zulassung Mirikizumab Feb 2025 | ECCO 2025 Berlin ecco-ibd.eu | Universimed ECCO-Update universimed.com | Deutsches Ärzteblatt CED aerzteblatt.de | DGP Biologika-Metaanalyse deutschesgesundheitsportal.de | DGVS Leitlinien awmf.org

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