Migräne 2026: Neue Leitlinie und Gepante erweitern Behandlungsoptionen deutlich

March 30, 2026

Zum Kopfschmerztag 2025 haben die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) ihre vollständig überarbeitete Leitlinie zur Migränetherapie vorgestellt. Die S1-Leitlinie 'Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne' fasst den aktuellen Stand der Wissenschaft zusammen und empfiehlt erstmals die neuen oralen CGRP-Rezeptorantagonisten (Gepante) ausdrücklich für die Akutbehandlung und Prophylaxe. [1]

Migräne ist in Deutschland eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Rund 18 Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer sind betroffen – insgesamt schätzungsweise 12 bis 15 Millionen Menschen. Trotz wirksamer moderner Therapien werden diese nach Einschätzung von DGN und DMKG bislang zu wenig genutzt: 'Viele chronische Verläufe wären bei frühzeitiger Prophylaxe vermeidbar', erklärte die DMKG zum Kopfschmerztag 2025. [2]

Was sind CGRP-Antikörper und Gepante?

CGRP steht für Calcitonin Gene-Related Peptide – ein Botenstoff, der bei Migräneattacken im Nervensystem ausgeschüttet wird und Schmerzweiterleitung sowie Gefäßerweiterung auslöst. Seit 2019 sind in Deutschland vier monoklonale Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor zur Migräneprophylaxe zugelassen:

  • Erenumab (Aimovig): gegen den CGRP-Rezeptor, monatlich injiziert
  • Galcanezumab (Emgality): gegen CGRP, monatlich injiziert
  • Fremanezumab (Ajovy): gegen CGRP, monatlich oder quartalsweise
  • Eptinezumab (Vyepti): gegen CGRP, vierteljährlich als Infusion
  • Alle vier sind laut Leitlinie bei episodischer wie chronischer Migräne wirksam und zeigen ein 'nachgewiesen sehr gutes Verträglichkeitsprofil' im Vergleich zu klassischen Prophylaxemitteln wie Betablockern oder Topiramat. [1]

    Gepante: Orale Option für Akuttherapie und Prophylaxe

    Seit Anfang 2025 stehen in Deutschland erstmals orale CGRP-Rezeptorantagonisten als Tabletten zur Verfügung – die sogenannten Gepante. Im Gegensatz zu den Antikörpern, die per Injektion oder Infusion verabreicht werden, lassen sich Gepante wie herkömmliche Schmerzmittel als Tablette nehmen. Die neue Leitlinie empfiehlt sie sowohl für die Akuttherapie (bei unzureichendem Ansprechen auf Triptane) als auch für die Prophylaxe. [1]

    Der entscheidende Vorteil gegenüber Triptanen: Gepante verengen keine Blutgefäße und können damit auch bei Patienten eingesetzt werden, bei denen Triptane wegen kardiovaskulärer Risikofaktoren oder Migräne mit Aura kontraindiziert sind.

    Für wen kommt eine CGRP-Therapie infrage?

    Die Leitlinie empfiehlt CGRP-Antikörper für Patientinnen und Patienten, die mindestens vier Migränetage pro Monat haben, mindestens zwei klassische Prophylaxemittel ohne ausreichenden Erfolg versucht haben, oder diese wegen Nebenwirkungen nicht vertragen. Für die GKV-Erstattung gilt eine strenge Indikationsstellung: Nicht alle Patienten mit Migräne erhalten diese Therapie auf Kassenrezept. Die Kosten für CGRP-Antikörper liegen bei mehreren tausend Euro pro Jahr.

    Unterversorgung bleibt das zentrale Problem

    Obwohl wirksame Therapien existieren, werden sie nach Einschätzung der Fachgesellschaften zu selten eingesetzt. Beim Kopfschmerztag 2025 appellierte die DMKG: 'Wer mehr als acht Migränetage pro Monat hat, sollte unbedingt eine Prophylaxe erhalten – und wenn klassische Mittel nicht helfen, sollten CGRP-Therapien in Betracht gezogen werden.' [2] Laut einer Hochrechnung der DGN könnten bis zu 400.000 Menschen in Deutschland von einer CGRP-Prophylaxe profitieren, werden aber aktuell nicht behandelt.

    Migräne und die Arbeitsfähigkeit

    Migräne ist nicht nur medizinisch relevant – sie hat erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen. Deutsche Arbeitgeber verlieren jährlich schätzungsweise 3 Milliarden Euro durch migränebedingte Ausfälle. Chronische Migräne (mehr als 15 Kopfschmerztage pro Monat) betrifft rund 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung und ist eine der häufigsten Ursachen für dauerhafte Arbeitsunfähigkeit.

    Was Betroffene selbst tun können

    Neben medikamentöser Therapie spielen Trigger-Management und nicht-medikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle. Bewährte Maßnahmen der neuen Leitlinie: Schlafregelmäßigkeit, Ausdauersport (3x 30 Minuten/Woche), Entspannungsverfahren (Progressive Muskelrelaxation), Biofeedback und kognitive Verhaltenstherapie. Die Verwendung eines Migränetagebuchs – heute als App verfügbar – gilt als Basis für jede Therapieentscheidung.

    FAQ

    Ab wann sollte ich einen Spezialisten aufsuchen? Bei mehr als vier Migränetagen pro Monat oder bei starker Beeinträchtigung im Alltag.

    Zahlt die Krankenkasse CGRP-Antikörper? Ja, wenn die GKV-Kriterien erfüllt sind (mindestens 4 Migränetage/Monat, zwei Vorbehandlungen gescheitert).

    Sind Gepante besser als Triptane? Nicht generell – Triptane sind weiterhin die Erstlinie bei Attacken ohne Kontraindikationen. Gepante sind die Alternative bei Unverträglichkeit.

    Kann Migräne geheilt werden? Nein, aber sie kann wirksam kontrolliert werden. Viele Betroffene erreichen durch Kombination aus medikamentöser Prophylaxe und nicht-medikamentösen Maßnahmen eine deutliche Reduktion der Attackenfrequenz.

    Sind CGRP-Therapien sicher in der Schwangerschaft? Nein – die Antikörper und Gepante sind in der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert.

    Zusammenfassung

    Die S1-Leitlinie 2025 markiert einen Paradigmenwechsel in der deutschen Migräneversorgung: Nicht mehr nur klassische Prophylaxemittel stehen im Vordergrund, sondern gezielt auf den CGRP-Mechanismus ausgerichtete Therapien – sowohl injizierbar als auch oral. Für Betroffene ist das eine gute Nachricht: Wer mit bisherigen Behandlungen nicht ausreichend geholfen wurde, hat jetzt mehr Optionen.

    Quellen

    [1] DGN/DMKG, S1-Leitlinie 'Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne', September 2025. https://www.ptaheute.de/aktuelles/2025/10/22/migraene-leitlinie-um-neue-therapien-ergaenzt

    [2] DMKG/Attacke Kopfschmerzen, Pressemitteilung Kopfschmerztag 2025. https://attacke-kopfschmerzen.de/presse/pressemitteilungen/18-pressemitteilung/140-kopfschmerztag-2025-moderne-migraenetherapien-zu-wenig-genutzt-chronische-faelle-vermeidbar

    Quelle lesen →

    Verwandte Unternehmen

    Unternehmensliste wird hier als Collection List eingefügt