Das deutsche Mammographie-Screening-Programm erreicht mit dem Jahr 2026 eine neue Phase: Zum ersten Mal dürfen auch Frauen zwischen 45 und 49 Jahren teilnehmen, und die obere Altersgrenze wurde auf 75 Jahre ausgedehnt. Gleichzeitig belegt eine Auswertung des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), veröffentlicht im Juli 2025, dass das Programm die Brustkrebssterblichkeit nachweislich um 20 bis 30 Prozent senkt. [1]

Brustkrebs: Die Zahlen

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland: Jährlich erhalten rund 70.000 Frauen die Diagnose, etwa 19.000 sterben daran. Das Risiko steigt mit dem Alter – rund 70 Prozent der Erkrankungen treten nach dem 50. Lebensjahr auf. Bei früher Entdeckung (Stadium I) liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei über 95 Prozent. [2]

Wie das Screening funktioniert

Beim Mammographie-Screening werden beide Brüste in zwei Ebenen geröntgt. Jeder Befund wird von zwei unabhängigen, speziell geschulten Ärzten beurteilt – dem Vier-Augen-Prinzip. Bei abweichenden Einschätzungen entscheidet ein dritter Arzt. Auffällige Befunde werden zur Abklärungsdiagnostik eingeladen. Die Untersuchung dauert rund 30 Minuten und ist für gesetzlich Versicherte kostenlos.

Die Einladung erfolgt automatisch: Frauen zwischen 50 und 69 Jahren erhalten alle zwei Jahre einen Brief. Frauen zwischen 45 und 49 sowie 70 und 75 Jahren können sich seit Anfang 2026 auf Wunsch anmelden. [1]

Die BfS-Studie: 20–30 Prozent weniger Todesfälle

Für die Auswertung des Bundesamts für Strahlenschutz wurden Daten aus neun Jahren (2009–2018) analysiert. Frauen, die regelmäßig am Screening teilnahmen, starben 20 bis 30 Prozent seltener an Brustkrebs als Vergleichsgruppen ohne Screeningteilnahme. „Das Programm leistet einen messbaren Beitrag“, kommentierte BfS-Präsidentin Dr. Inge Paulini. [1]

Ergänzend zeigen Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): 80 Prozent der im Screening entdeckten Tumoren waren kleiner als zwei Zentimeter und ohne Lymphknotenbefall – ein entscheidender Vorteil für Behandlung und Prognose. [2]

3D-Mammographie und KI: Der technische Fortschritt

Digitale Tomosynthese (3D-Mammographie) erhöht die Entdeckungsrate invasiver Karzinome im Vergleich zur Standard-2D-Mammographie um bis zu 40 Prozent – vor allem bei Frauen mit dichtem Brustgewebe. In deutschen Screening-Zentren wird 3D-Mammographie zunehmend eingesetzt, ist aber noch nicht flächendeckend verfügbar.

KI-gestützte Befundsysteme werden bereits an mehreren deutschen Standorten als zweite Befunderin eingesetzt. Studien belegen, dass KI die Entdeckungsrate früher Karzinome um bis zu 20 Prozent verbessern kann. [1]

Was das Screening nicht leistet

Ein unauffälliger Befund bietet keine hundertprozentige Sicherheit. Zwischen den zweijährigen Screeningterminen können sich Tumoren entwickeln. Frauen sollten unabhängig vom Programm auf Veränderungen achten: Verhärtungen, Einziehungen der Haut oder veränderte Brustwarzen sind Signale, die umgehend ärztlich abgeklärt werden sollten.

Zu den bekannten Grenzen gehört auch das Phänomen der Überdiagnose: Auf 2 bis 2,5 durch das Screening gerettete Leben kommt schätzungsweise eine Überdiagnose – also die Entdeckung eines Karzinoms, das ohne Screening nie Beschwerden verursacht hätte. [3]

Familienanlamnese: Wann zusätzliche Abklärung sinnvoll ist

Frauen mit familiärer Vorbelastung – Mutter oder Schwester mit Brustkrebs vor dem 50. Lebensjahr – oder BRCA1/BRCA2-Mutation haben ein deutlich erhöhtes Risiko. Für sie gilt: Unabhängig vom allgemeinen Screening eine individuelle Risikoberatung beim Gynäkologen suchen. Ergänzendes MRT ist bei nachgewiesenem erhöhtem Risiko GKV-Leistung.

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Quellen:
[1] Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Mammographie-Screening senkt Brustkrebssterblichkeit. Juli 2025. https://www.bfs.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/BfS/DE/2025/010.html
[2] Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Praxisnachrichten Januar 2026. https://www.kbv.de
[3] Leibniz-Gemeinschaft: Mammographie auf dem Prüfstand. 2025. https://www.leibniz-gemeinschaft.de