Eine im Juli 2025 veröffentlichte Studie des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) und der Universität Münster hat die Wirksamkeit des deutschen Mammographie-Screening-Programms nachgewiesen: Bei Frauen, die regelmäßig teilnahmen, sank die Brustkrebssterblichkeit im Vergleich zur Kontrollgruppe um 20 bis 30 Prozent. Das sind die stärksten Belege für den Nutzen des Programms seit seiner Einführung vor 20 Jahren.[1]
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Jährlich erhalten rund 70.000 Frauen die Diagnose, etwa 19.000 sterben daran. Das gesetzliche Mammographie-Screening-Programm wurde 2005 eingeführt und bietet seither Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre eine kostenlose Untersuchung. Die neue Studienlage und veränderte gesetzliche Regelungen 2026 machen das Programm für mehr Frauen zugänglich als je zuvor.
Die Studienbelege: Bis zu 30 Prozent weniger Todesfälle
Für die BfS-Studie wurden Daten aus den Jahren 2009 bis 2018 ausgewertet – ein Zeitraum, der lang genug ist, um aussagekräftige Sterblichkeitszahlen zu liefern. Das Ergebnis: Frauen, die am Screening teilnahmen, hatten eine um 20 bis 30 Prozent niedrigere Brustkrebs-Sterberate als Frauen in der Vergleichsgruppe. „Das Programm leistet einen messbaren Beitrag zur Senkung der Brustkrebssterblichkeit", sagte BfS-Präsidentin Dr. Inge Paulini in der Pressemitteilung.[1]
Ergänzend dazu berichtet die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in ihrem Jahresbericht vom Januar 2026: 80 Prozent der im Screening entdeckten Karzinome waren ohne Lymphknotenbefall, 80 Prozent maximal zwei Zentimeter groß. Das bedeutet für die betroffenen Frauen deutlich schonendere Behandlungsmöglichkeiten und bessere Überlebenschancen.[2]
Neue Altersregeln ab 2026: Jetzt auch ab 45
Seit März 2026 gilt in Deutschland eine erweiterte Altersregel: Auch Frauen zwischen 45 und 49 Jahren dürfen strahlenschutzrechtlich am Mammographie-Screening teilnehmen. Diese Ausweitung war wissenschaftlich umstritten, da die Strahlenbelastung durch das Röntgen bei jüngeren Frauen mit dichterem Gewebe in einem ungüstigeren Nutzen-Risiko-Verhältnis steht. Die Entscheidung des Gesetzgebers spiegelt jedoch die europäische Evidenz wider: Auch in dieser Altersgruppe werden Karzinome früher entdeckt, wenn regelmäßig gescreent wird.[1]
Bereits 2024 wurde die obere Altersgrenze auf 75 Jahre ausgeweitet. Das Programm richtet sich damit künftig an Frauen von 45 bis 75 Jahren. Frauen zwischen 45 und 49 erhalten seit März 2026 eine Einladung zum Screening, müssen aber aktiv einer möglichen höheren Strahlenbelastung zustimmen. Für Frauen ab 50 gilt die automatische Einladung weiterhin. Wer familiäre Vorbelastung hat – Mutter oder Schwester mit Brustkrebs unter 50 – sollte unabhängig vom allgemeinen Screening eine individuelle Risikoberatung beim Gynäkologen suchen.
Wie funktioniert das Screening?
Beim Mammographie-Screening werden beide Brüste in zwei Ebenen geröntgt. Jede Aufnahme wird von zwei unabhängigen, speziell geschulten Ärzten befundet – dem Vier-Augen-Prinzip. Bei abweichenden Beurteilungen entscheidet ein dritter Arzt. Auffällige Befunde erhalten eine Einladung zur Abklärungsdiagnostik, bei der zunächst eine erneute Mammographie und ein Ultraschall erfolgen; erst wenn diese Befunde unklar bleiben, wird eine Gewebeprobe entnommen. Die Untersuchung selbst dauert rund 30 Minuten und ist für gesetzlich Versicherte kostenfrei.
Wichtig zu wissen: Ein unauffälliger Befund bedeutet keine hundertprozentige Sicherheit. Auch zwischen den Screening-Terminen können sich Tumoren entwickeln. Frauen sollten unabhängig vom Screening auf Veränderungen wie Verhärtungen, Einziehungen der Haut oder veränderte Brustwarzen achten.
Kritische Stimmen: Was das Screening nicht leistet
Das Screening senkt die Sterblichkeit – daran besteht nach der BfS-Studie kaum noch Zweifel. Dennoch hat das Programm Grenzen: Nicht jeder entdeckte Tumor wäre ohne Screening tödlich verlaufen. Überdiagnosen – also die Entdeckung und Behandlung von Karzinomen, die nie Symptome verursacht hätten – sind ein reales Problem. Auf 2 bis 2,5 Leben, die gerettet werden, kommt laut wissenschaftlichen Analysen etwa eine Überdiagnose. Frauen sollten das wissen, um eine informierte Entscheidung zur Teilnahme treffen zu können.[3]
Digitale Mammographie und KI-Unterstützung
Ein weiterer Fortschritt im Screening ist die zunehmende Nutzung künstlicher Intelligenz. KI-Systeme werden als zweite Befunderin eingesetzt und sollen in Studien die Entdeckungsrate früher Karzinome verbessern. Ob KI die manuelle Doppelbefundung mittel- bis langfristig ablöst, wird derzeit in mehreren europäischen Studien untersucht. Eine DKFZ-Auswertung aus dem März 2026 zeigt: In ganz Europa tragen Screening-Programme dazu bei, dass Brustkrebs früher entdeckt wird und die Sterberaten sinken. Deutschland gehört dabei zu den Ländern mit einem der am besten organisierten Programme.[4]
Tipp: Screeningtermine, Befunde und eigene Beobachtungen regelmäßig festhalten erleichtert das Gespräch mit der Gynäkologin. Gesundheitstagebuch in der Bestes App
Quellen
[1] Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): „Mammographie-Screening verringert Brustkrebssterblichkeit deutlich." Pressemitteilung, Juli 2025. https://www.bfs.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/BfS/DE/2025/010.html
[2] Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): „Praxisnachrichten – Mammographie-Screening 2026." KBV, Januar 2026. https://www.kbv.de
[3] Cochrane Deutschland: „Überdiagnose beim Mammographie-Screening." Cochrane, 2024. https://www.cochrane.org/de
[4] Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): „Früherkennung trägt zu sinkenden Brustkrebs-Sterberaten in Europa bei." DKFZ, März 2026. https://www.dkfz.de
