HPV-Test statt PAP-Abstrich: Das neue Zervixkarzinom-Screening in Deutschland
Seit Januar 2020 hat sich das Zervixkarzinom-Screening in Deutschland grundlegend geändert. Frauen ab 35 Jahren erhalten statt des jährlichen PAP-Abstrichs einen kombinierten HPV-Test plus PAP-Abstrich alle drei Jahre. Frauen unter 35 bekommen weiterhin jährlich einen PAP-Abstrich. Was bedeutet diese Änderung für Frauen – und warum ist sie ein Fortschritt?
## Was HPV ist und warum es relevant ist
Humane Papillomviren (HPV) sind die Ursache von nahezu 100% aller Gebärmutterhalskrebsfälle. Es gibt über 200 HPV-Typen, davon etwa 14 Hochrisikotypen (vor allem HPV 16 und 18), die Krebs verursachen können.
HPV ist extrem häufig: Über 80% aller sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV. Die meisten Infektionen verschwinden innerhalb von 1–2 Jahren von selbst. Nur persistierende Infektionen mit Hochrisiko-HPV-Typen können langfristig zu Zellveränderungen führen – und das dauert typischerweise 10–20 Jahre.
## Warum HPV-Test besser als PAP allein
Der HPV-Test hat eine höhere Sensitivität als der PAP-Abstrich allein. Studien zeigen, dass der HPV-Test Krebsvorstufen um bis zu 70% besser erkennt [1]. Dafür ist er weniger spezifisch – es gibt mehr positive Befunde, von denen die meisten keine Konsequenz haben.
Die Kombination HPV+PAP alle 3 Jahre bietet besseren Schutz bei geringerer Belastung als jährlicher PAP. Nach negativem Befund ist das Risiko für die nächsten 3 Jahre sehr gering.
## HPV-Impfung: Wer, wann, wie oft?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von 9–14 Jahren. Bei späterer Impfung (bis 17 Jahre) werden 3 Dosen benötigt, bei Impfung bis 14 Jahre 2 Dosen.
Neu 2025: Die STIKO prüft eine Erweiterung für Erwachsene bis 45 Jahre. Studien zeigen, dass auch ältere Frauen von der Impfung profitieren – besonders wenn sie noch nicht mit allen HPV-Typen in Kontakt waren. Geimpft schutzt vor neuem Kontakt mit den Impfstamm-Typen; ein bereits vorhandener HPV-Befall wird durch die Impfung nicht beseitigt.
Verfassbare Impfstoffe: Gardasil 9 (schützt gegen 9 HPV-Typen inkl. 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52, 58).
## Was ein positiver HPV-Befund bedeutet
Ein positiver HPV-Befund löst bei vielen Frauen verständlicherweise Angst aus. Diese Orientierung hilft:
HPV ist häufig. Die meisten Infektionen klären sich von selbst. Bei positivem Test und unaufälligem PAP: Kontrolluntersuchung in 12 Monaten. Nur wenn HPV weiterhin positiv oder PAP auffällig, folgt Kolposkopie. Krebsvorstufen (CIN) werden ambulant behandelt – meist durch eine kleine Gewebsexzision.
Die entscheidende Botschaft: Regelmäßige Teilnahme am Screening ist der effektivste Schutz. Gebärmutterhalskrebs ist einer der wenigen Krebstypen, bei dem ein effektives Früherkennungs- und Präventionsprogramm existiert.
## Häufige Fragen
**Ab wann habe ich Anspruch auf den HPV-Test?**
Ab 35 Jahren. Der kombinierte HPV+PAP-Test ist alle 3 Jahre kostenfrei von der Krankenkasse übernommen.
**Kann ich trotz HPV-Impfung Krebs bekommen?**
Der Impfstoff schützt gegen die häufigsten Typen (HPV 16/18), aber nicht alle. Screening bleibt auch nach Impfung wichtig.
**Was ist eine Kolposkopie?**
Eine Lupenuntersuchung des Muttermundes. Schmerzlos, dauert wenige Minuten. Bei Auffälligkeiten kann eine Biopsie entnommen werden.
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**Quellen:**
[1] G-BA. Richtlinie über die Früherkennungsuntersuchungen auf Krebs, §7 Zervixkarzinom. https://www.g-ba.de/informationen/richtlinien/17/
[2] Cuzick J et al. "Overview of the European and North American studies on HPV testing in primary cervical cancer screening." Int J Cancer. 2006.
[3] STIKO. HPV-Impfempfehlung. https://www.rki.de/stiko
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