Studie
Von Redaktion

HPV-Test statt PAP-Abstrich: Das neue Zervixkarzinom-Screening in Deutschland

Ab 35: HPV-Test + PAP alle 3 Jahre statt jährlich. Was sich beim Zervixkarzinom-Screening ändert, was positive Befunde bedeuten.

Seit dem 1. Januar 2020 empfiehlt der G-BA in Deutschland ein neues Zervixkarzinom-Screening. Frauen ab 35 Jahren bekommen alle drei Jahre einen HPV-Test statt des jährlichen PAP-Abstrichs. Für Frauen zwischen 20 und 34 Jahren bleibt der PAP-Abstrich jährlich. Diese Umstellung folgt wissenschaftlichen Erkenntnissen: Der HPV-Test erkennt Krebsvorstufen früher und zuverlässiger als der PAP-Abstrich allein. Viele Frauen und Ärzte wissen aber noch nicht, was sich konkret ändert.

Warum HPV-Test besser ist als PAP allein

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) entsteht fast ausschließlich durch persistierende Infektionen mit bestimmten HPV-Typen (High-Risk-HPV), vor allem HPV 16 und 18. Der PAP-Abstrich erkennt veränderte Zellen – also ein Ergebnis einer HPV-Infektion. Der HPV-Test erkennt das Virus selbst, bevor Zellen sich verändern.

Das ist der entscheidende Vorteil: Studien zeigen, dass der HPV-Test Hochrisiko-Läsionen (CIN3+) mit einer Sensitivität von über 95% erkennt, während der PAP-Abstrich nur auf etwa 55–70% kommt. Dafür hat der HPV-Test eine etwas niedrigere Spezifität – er zeigt mehr falsch-positive Befunde, was zu Nachuntersuchungen führt.

Das neue Screening-Programm im Detail

Frauen 20–34 Jahre: Jährlicher PAP-Abstrich beim Frauenarzt. In dieser Altersgruppe sind HPV-Infektionen häufig, aber die meisten heilen von selbst aus. Ein jährlicher PAP genügt zur Kontrolle.

Frauen ab 35 Jahren: Alle 3 Jahre Co-Testung (PAP + HPV-Test gemeinsam). Das ist die wichtigste Änderung: Beide Tests werden gleichzeitig durchgeführt. Nur wenn beide negativ sind, reicht ein Abstand von 3 Jahren.

Was bei positivem HPV-Test passiert:
Ein positiver HPV-Test bedeutet nicht automatisch Krebs – oder auch nur Krebs-Vorstufen. Bei positivem HPV und unauffälligem PAP wird in der Regel ein Abklärungs-PAP nach 12 Monaten empfohlen. Erst wenn dann wieder HPV positiv oder PAP auffällig ist, folgt eine Kolposkopie (Lupenuntersuchung des Gebärmutterhalses).

HPV-Impfung und Screening: Wie sie zusammenwirken

Die Schutzimpfung gegen HPV (Gardasil 9) schützt gegen die häufigsten krebsverursachenden HPV-Typen. Die STIKO empfiehlt sie für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren. Wichtig: Auch geimpfte Frauen müssen am Screening teilnehmen. Die Impfung schützt nicht gegen alle HPV-Typen, und Frauen, die vor der Impfung sexuell aktiv waren, konnten sich bereits infiziert haben.

In Deutschland ist die Impfquote noch verbesserungswürdig: Nur rund 50–60% der Mädchen im Zielalter sind vollständig geimpft. Andere Länder – Island, Australien, Großbritannien – kommen auf 80–90% und nähern sich dem Ziel, Gebärmutterhalskrebs nahezu auszurotten.

Selbstentnahme als neue Option

Eine vielversprechende Entwicklung: In einigen europäischen Ländern können Frauen den HPV-Test per Selbstentnahme (Vaginalabstrich zu Hause) durchführen. Die WHO unterstützt diese Strategie, weil sie Frauen erreicht, die aus Scham, Angst oder mangelndem Zugang nicht zum Arzt gehen. In Deutschland ist die Selbstentnahme noch nicht standard-etabliert, wird aber in Pilotprojekten erprobt. Studien zeigen: Die Sensitivität der Selbstentnahme für HPV liegt bei 75–90% der ärztlichen Entnahme – gut genug für ein breites Screening-Modell.

Die WHO hat 2020 eine Strategie zur Eliminierung von Gebärmutterhalskrebs bis 2030 definiert: 90% Impfquote bei Mädchen, 70% Screening-Coverage, und 90% Behandlungsrate für festgestellte Läsionen. Deutschland erfüllt derzeit keines dieser Ziele vollständig – aber das neue Screening-Programm ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Für Frauen mit Kinderwunsch ist das Zervixkarzinom-Screening besonders wichtig, da ein behandelter Gebärmutterhalskrebs in frühen Stadien die Fruchtbarkeit kaum beeinträchtigt. Präventive Gynäkologie schützt nicht nur das Leben, sondern auch die reproduktive Gesundheit.

Was ein positiver Befund für Betroffene bedeutet – Praktische Orientierung

Ein positiver HPV-Befund löst bei vielen Frauen verständlicherweise Angst aus. Diese Orientierung hilft, den Befund einzuordnen:

HPV ist extrem häufig: Über 80% aller sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV. Die meisten Infektionen verschwinden innerhalb von 1–2 Jahren von selbst.

Nur persistierende Infektionen mit Hochrisiko-HPV-Typen können langfristig zu Zellveränderungen führen. Dieser Prozess dauert typischerweise 10–20 Jahre. Das heißt: Früherkennung hat Zeit – und sie funktioniert.

Was bei positivem HPV-Test konkret passiert:

Schritt 1: Der behandelnde Frauenarzt wertet den Befund im Kontext des PAP-Abstrichs aus.
Schritt 2: Bei unauffälligem PAP folgt eine Kontrolluntersuchung in 12 Monaten.
Schritt 3: Nur wenn HPV weiterhin positiv ist oder der PAP auffällig wird, folgt eine Kolposkopie (Lupenuntersuchung des Muttermundes).

Die Kolposkopie selbst ist schmerzlos und dauert wenige Minuten. Aus auffälligen Bereichen kann eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden. Krebsvorstufen (CIN) werden dann ambulant behandelt – meist durch eine kleine Gewebsexzision, die den Gebärmutterhals schützt.

Die entscheidende Botschaft: Regelmäßige Teilnahme am Screening ist der effektivste Schutz. Gebärmutterhalskrebs ist einer der wenigen Krebstypen, bei dem wir über ein effektives Früherkennungs- und Präventionsprogramm verfügen.

Häufige Fragen

Muss ich als geimpfte Frau noch zum Screening?
Ja, unbedingt. Die Impfung schützt nicht gegen alle HPV-Typen.

Was kostet der HPV-Test?
Im Rahmen des gesetzlichen Screenings (ab 35 Jahren, alle 3 Jahre) ist er komplett kostenfrei.

HPV positiv – muss ich mir Sorgen machen?
Nicht sofort. Die meisten HPV-Infektionen heilen von selbst aus. Ihr Arzt wird den Verlauf kontrollieren.

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