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Herzinsuffizienz: 4 Millionen Betroffene und neue Therapien die Leben retten

March 30, 2026

Herzinsuffizienz ist in Deutschland eine der häufigsten Diagnosen bei stationärer Aufnahme – und gleichzeitig eine der am meisten unterschätzten Erkrankungen. Rund vier Millionen Menschen hierzulande leben mit chronischer Herzinsuffizienz, jedes Jahr kommen 400.000 Neudiagnosen hinzu [1]. Die Prognose ist ernst: 50 Prozent der Betroffenen sterben innerhalb von fünf Jahren nach Diagnose. Dennoch: Neue Therapien haben die Prognose erheblich verbessert. ## Was ist Herzinsuffizienz? Herzinsuffizienz bedeutet, dass das Herz nicht mehr genug Blut pumpen kann. Ursachen sind meist vorgeschädigte Herzmuskulatur nach Herzinfarkt, jahrelange Hypertonie, Herzklappenfehler oder Vorhofflimmern. Man unterscheidet Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) und mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF, immer häufiger bei Übergewicht und Diabetes) [2]. Symptome beginnen oft schleichend: Kurzatmigkeit bei Belastung, Knöchelodeme, Müdigkeit und nächtliches Aufwachen mit Atemnot. Viele Betroffene schieben die Beschwerden auf das Alter und kommen erst spät zum Arzt. ## Die Therapierevolution: SGLT2-Inhibitoren In den vergangenen Jahren haben SGLT2-Inhibitoren die Herzinsuffizienztherapie revolutioniert. Empagliflozin (Jardiance) und Dapagliflozin (Forxiga) reduzieren in großen Studien die kardiovaskuläre Mortalität und Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz um 25 bis 35 Prozent – unabhängig davon, ob die Patienten Diabetiker sind [1]. Die ESC empfiehlt SGLT2-Inhibitoren seit 2021 für alle Herzinsuffizienz-Patienten mit reduzierter Ejektionsfraktion unabhängig von einem Diabetes [2]. ## Vier-Säulen-Therapie: Was heute Standard ist Die aktuelle ESC-Leitlinie sieht für HFrEF vier Wirkstoffklassen als Basis-Therapie vor: ACE-Hemmer/ARNi (z.B. Ramipril, Sacubitril/Valsartan), Betablocker (z.B. Metoprolol, Carvedilol), Mineralokortikoid-Antagonisten (z.B. Spironolacton) und SGLT2-Inhibitoren (Empagliflozin oder Dapagliflozin). Studien zeigen: Wer alle vier Substanzklassen erhält, halbiert sein Sterberisiko. In der Praxis erhält aber noch immer nur eine Minderheit der Patienten alle vier Medikamente – eine klare Versorgungslücke [1]. ## Früherkennung und Prävention Herzinsuffizienz ist in den meisten Fällen die Folge vermeidbarer Risikofaktoren: Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Rauchen und körperliche Inaktivität. Wer seinen Blutdruck konsequent einstellt (Ziel unter 130/80 mmHg) und ein gesundes Gewicht hält, reduziert sein Herzinsuffizienz-Risiko erheblich. BNP oder NT-proBNP im Blut ist bei erhöhten Werten ein früher Hinweis auf beginnende Herzinsuffizienz. Bei Hochrisikopatienten sollte der Wert bekannt sein [2]. Kardiologen auf bestes.com/services. ## Herzinsuffizienz erkennen – auf diese Warnsignale achten Viele Betroffene suchen erst sehr spät Hilfe. Frühe Warnsignale: Kurzatmigkeit bei leichter Belastung, geschwollene Füße oder Knöchel gegen Abend, Müdigkeit ohne klare Ursache, nächtliches Erwachen mit Atemnot oder trockener Husten im Liegen [1]. Bei diesen Symptomen ist ein Arztbesuch dringend empfohlen. Laborwerte (NT-proBNP), ein EKG und ein Herzultraschall sichern die Diagnose zuverlässig. Herzinsuffizienz ist gut behandelbar – aber nur wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Wichtig auch für jüngere Menschen: Virale Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) nach Infekten können auch bei 20- bis 40-Jährigen eine Herzinsuffizienz auslösen [2]. Kardiologen auf bestes.com/services. Herzinsuffizienz-Patienten in Deutschland werden noch immer zu selten optimal behandelt. Eine Studie des Deutschen Herzzentrums München (2024) zeigte, dass nur 35 Prozent der Patienten alle vier evidenzbasierten Substanzklassen erhalten. Wenn Sie eine Herzinsuffizienz-Diagnose haben, fragen Sie aktiv nach: Bekomme ich alle vier empfohlenen Medikamente? Und falls nicht, warum nicht. Ein oft unterschätzter Aspekt: Rund 20 bis 30 Prozent der Herzinsuffizienz-Patienten entwickeln eine Depression. Strukturierte Bewegungstherapie (Herzsport) wirkt nachweislich sowohl auf Herzfunktion als auch auf depressive Symptome. Wer an Herzinsuffizienz leidet, sollte eine Anschlussheilbehandlung oder ein ambulantes Herzrehabilitationsprogramm in Betracht ziehen. Herzinsuffizienz-Patienten in Deutschland haben heute deutlich bessere Überlebenschancen als noch vor 20 Jahren. Der Schlüssel: regelmäßige kardiologische Kontrolle, konsequente Medikamenten-Einnahme und aktive Beteiligung an der eigenen Therapie. Kardiologen auf bestes.com/services. --- **Quellen:** [1] Bundesarztekammer. Nationale Versorgungsleitlinie Herzinsuffizienz. 2023. https://www.leitlinien.de/nvl/html/herzinsuffizienz [2] McDonagh TA et al. ESC Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Acute and Chronic Heart Failure. Eur Heart J. 2021;42:3599–3726. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehab368
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