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Von Redaktion

Herzinsuffizienz: 4 Millionen Betroffene und neue Therapien die Leben retten

Herzinsuffizienz: 4 Mio. Betroffene in Deutschland, 50% Sterblichkeit in 5 Jahren. SGLT2-Inhibitoren reduzieren Mortalität um 25–35%. ESC-Leitlinie 2021.

Herzinsuffizienz ist in Deutschland eine der häufigsten Diagnosen bei stationärer Aufnahme – und gleichzeitig eine der am meisten unterschätzten Erkrankungen. Rund vier Millionen Menschen hierzulande leben mit chronischer Herzinsuffizienz, jedes Jahr kommen 400.000 Neudiagnosen hinzu. Die Prognose ist ernst: 50 Prozent der Betroffenen sterben innerhalb von fünf Jahren nach Diagnose – eine Sterblichkeitsrate die viele Krebsarten übersteigt. Dennoch: Neue Therapien haben die Prognose in den vergangenen Jahren erheblich verbessert.

Was ist Herzinsuffizienz?

Herzinsuffizienz bedeutet, dass das Herz nicht mehr genug Blut pumpen kann, um den Körper ausreichend zu versorgen. Ursachen sind meist eine vorgeschädigte Herzmuskulatur nach Herzinfarkt, jahrelange Hypertonie, Herzklappenfehler oder Vorhofflimmern. Man unterscheidet Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF, "klassische" Form) und mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF, immer häufiger bei Übergewicht und Diabetes).

Symptome beginnen oft schleichend: Kurzatmigkeit bei Belastung, Knöchelödeme, Müdigkeit und nächtliches Aufwachen mit Atemnot. Viele Betroffene schieben die Beschwerden auf das Alter oder mangelnde Fitness – und kommen erst spät zum Arzt.

Die Therapierevolution: SGLT2-Inhibitoren

In den vergangenen Jahren haben SGLT2-Inhibitoren – ursprünglich als Diabetesmittel entwickelt – die Herzinsuffizienztherapie revolutioniert. Empagliflozin (Jardiance) und Dapagliflozin (Forxiga) reduzieren in großen Studien die kardiovaskuläre Mortalität und Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz um 25 bis 35 Prozent – unabhängig davon, ob die Patienten Diabetiker sind oder nicht.

Der genaue Wirkmechanismus bei Herzinsuffizienz ist noch nicht vollständig aufgeklärt – diskutiert werden Reduktion der Vorlast durch Diurese, kardioprotektive Effekte auf den Energiestoffwechsel des Herzens und anti-inflammatorische Wirkungen. Die ESC (European Society of Cardiology) empfiehlt SGLT2-Inhibitoren seit 2021 für alle Herzinsuffizienz-Patienten mit reduzierter Ejektionsfraktion unabhängig von einem Diabetes.

Vier-Säulen-Therapie: Was heute Standard ist

Die aktuelle ESC-Leitlinie sieht für HFrEF vier Wirkstoffklassen als Basis-Therapie vor:
1. ACE-Hemmer/ARNi (z.B. Ramipril, Sacubitril/Valsartan)
2. Betablocker (z.B. Metoprolol, Carvedilol)
3. Mineralokortikoid-Antagonisten (z.B. Spironolacton)
4. SGLT2-Inhibitoren (Empagliflozin oder Dapagliflozin)

Studien zeigen: Wer alle vier Substanzklassen erhält, halbiert sein Sterberisiko gegenüber Patienten ohne optimierte Therapie. In der Praxis erhält aber noch immer nur eine Minderheit der Patienten alle vier Medikamente – eine klare Versorgungslücke.

Früherkennung und Prävention

Herzinsuffizienz ist in den meisten Fällen die Folge vermeidbarer Risikofaktoren: Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Rauchen und körperliche Inaktivität. Wer seinen Blutdruck konsequent einstellt (Ziel unter 130/80 mmHg) und ein gesundes Gewicht hält, reduziert sein Herzinsuffizienz-Risiko erheblich.

Ein Biomarker ist zunehmend klinisch relevant: BNP oder NT-proBNP im Blut ist bei erhöhten Werten ein früher Hinweis auf beginnende Herzinsuffizienz – auch bevor Symptome auftreten. Bei Hochrisikopatienten (Hypertonie, Diabetes, Herzinfarkt in der Vorgeschichte) sollte der Wert bekannt sein.

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Herzinsuffizienz erkennen – auf diese Warnsignale achten

Viele Betroffene suchen erst nach einer Herzinsuffizienz-Diagnose, wenn die Krankheit bereits weit fortgeschritten ist. Dabei gibt es frühe Warnsignale, die ernst genommen werden sollten:

  • Kurzatmigkeit bei leichter Belastung, die früher nicht da war
  • Füße oder Knöchel, die gegen Abend angeschwollen sind
  • Müdigkeit und Leistungsabfall ohne klare Ursache
  • Nächtliches Erwachen mit Atemnot oder trockener Husten im Liegen

Bei diesen Symptomen ist ein Arztbesuch dringend empfohlen. Laborwerte (NT-proBNP), ein EKG und ein Herzultraschall (Echokardiographie) sichern die Diagnose in der Regel zuverlässig. Herzinsuffizienz ist gut behandelbar – aber nur wenn sie rechtzeitig erkannt wird.

Wichtig auch für junge Menschen: Herzinsuffizienz ist nicht ausschließlich eine Erkrankung des Alters. Virale Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) nach Infekten können auch bei 20- bis 40-Jährigen eine Herzinsuffizienz auslösen.

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Herzinsuffizienz ist eine Erkrankung, die Patienten in Deutschland noch immer zu selten optimal behandelt bekommen. Eine Studie des Deutschen Herzzentrums München (2024) zeigte, dass nur 35 Prozent der Herzinsuffizienz-Patienten alle vier evidenzbasierten Substanzklassen erhalten – obwohl dies die Prognose halbieren würde. Wenn Sie oder ein Angehöriger eine Herzinsuffizienz-Diagnose hat, fragen Sie aktiv nach: "Bekomme ich alle vier empfohlenen Medikamente?" Und falls nicht, warum nicht. Die regelmäßige Kontrolle beim Kardiologen sowie die Teilnahme an einem Disease-Management-Programm (DMP) für Herzinsuffizienz sind empfehlenswert.

Ein oft unterschätzter Aspekt der Herzinsuffizienz: die mentale Gesundheit. Rund 20 bis 30 Prozent der Herzinsuffizienz-Patienten entwickeln eine Depression – und umgekehrt erhöht Depression das kardiovaskuläre Risiko erheblich. Ein Teufelskreis, der gut durchbrochen werden kann: Strukturierte Bewegungstherapie (Herzsport, Cardiac Rehab) wirkt nachweislich sowohl auf Herzfunktion als auch auf depressive Symptome. Wer an Herzinsuffizienz leidet, sollte eine Anschlussheilbehandlung oder ein ambulantes Herzrehabilitationsprogramm in Betracht ziehen – die Kassen übernehmen die Kosten.

Herzinsuffizienz-Patienten in Deutschland haben heute deutlich bessere Überlebenschancen als noch vor 20 Jahren – dank neuer Medikamente, verbesserter Devices (CRT, ICD) und strukturierter Rehabilitation. Die 5-Jahres-Überlebensrate hat sich in den letzten Jahren verbessert und liegt bei optimal behandelten Patienten deutlich über 50 Prozent. Der Schlüssel: regelmäßige kardiologische Kontrolle, konsequente Medikamenten-Einnahme und aktive Beteiligung an der eigenen Therapie. Herzinsuffizienz-Patienten die regelmäßig zur Kardiologen-Kontrolle gehen und ihre Medikamente konsequent einnehmen, leben deutlich länger und besser.

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