Nachteulen schlafen später ein und wachen später auf – das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass dieser späte biologische Rhythmus das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann. Mehrere Studien der vergangenen Jahre zeigen: Der individuelle Chronotyp beeinflusst nicht nur Schlafqualität und Leistungsfähigkeit, sondern ist möglicherweise ein eigenständiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen und Typ-2-Diabetes.

Was der Chronotyp mit dem Herzrisiko zu tun hat

Der Chronotyp beschreibt den genetisch mitbedingten individuellen Schlaf-Wach-Rhythmus eines Menschen. Das Problem für Menschen mit spätem Chronotyp: Die meisten gesellschaftlichen Strukturen – Arbeitszeiten, Schulbeginn, soziale Verpflichtungen – sind auf frühe Zeiten ausgerichtet. Das führt bei Nachteulen zu einem chronischen sozialen Jetlag: Sie schlafen systematisch weniger als ihr Körper braucht und wachen regelmäßig auf, wenn ihre innere Uhr noch auf Schlaf steht.

Dieser chronische Schlafmangel und die damit verbundene zirkadiane Dysregulation wirken sich auf metabolische Prozesse aus. Eine Analyse der UK Biobank mit mehr als 400.000 Teilnehmern zeigte, dass Menschen mit spätem Chronotyp nach Bereinigung um andere Risikofaktoren ein um etwa 29 Prozent erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes aufwiesen. Für kardiovaskuläre Erkrankungen insgesamt war das Risiko um rund 23 Prozent erhöht – ein Effekt, der auch nach Kontrolle für Schlafdauer, Übergewicht und sozioökonomischen Status bestehen blieb.

Biologische Mechanismen: mehr als nur Schlafmangel

Die erhöhten Risiken lassen sich nicht vollständig durch Schlafmangel allein erklären. Forschende gehen davon aus, dass die zirkadiane Dysregulation – also die Desynchronisation zwischen innerer Uhr und äußeren Zeitgebern – eigenständige biologische Konsequenzen hat. Die Cortisol-Ausschüttung, die normalerweise am frühen Morgen ihren Peak hat, verschiebt sich. Der Blutzuckerhaushalt und die Insulinsensitivität verändern sich. Entzündungsmarker wie Interleukin-6 und CRP sind bei Menschen mit chronischem sozialem Jetlag im Schnitt erhöht – und erhöhte systemische Entzündung ist mit kardiovaskulärem Risiko assoziiert.

Hinzu kommt ein Verhaltensaspekt: Nachteulen neigen in Studien häufiger zu unregelmäßigen Esszeiten, nächtlichem Snacken und weniger körperlicher Aktivität. Nicht weil sie die schlechteren Entscheidungen treffen, sondern weil ihre biologische Uhr mit dem gesellschaftlichen Takt kollidiert.

Was Betroffene tun können

Den eigenen Chronotyp grundlegend zu ändern ist kaum möglich – er ist zu 50 bis 70 Prozent genetisch bestimmt, wie Zwillingsstudien zeigen. Was sich verändern lässt, sind soziale Rahmenbedingungen und Verhaltensstrategien. Schlafmediziner empfehlen, die Lichtexposition zu steuern: morgens helles Tageslicht, abends blaues Kunstlicht reduzieren. Feste Schlafenszeiten auch am Wochenende helfen, den sozialen Jetlag zu verringern.

Kardiologisch relevant ist die Erkenntnis vor allem für die Prävention: Wer einen späten Chronotyp hat und gleichzeitig klassische Herzrisikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhtes LDL trägt, sollte das kardiovaskuläre Risikoprofil möglicherweise früher und engmaschiger kontrollieren lassen. Die Datenlage ist inzwischen robust genug, um den Chronotyp als klinisch relevanten Faktor ernst zu nehmen.

Quellen: Vetter et al.: Chronotype and cardiovascular risk (UK Biobank), European Heart Journal 2023. Roenneberg T. et al.: Social Jetlag and Obesity, Current Biology 2012. t3n.de (2025): Studie warnt – erhöhtes Herzinfarkt-Risiko beim Chronotyp Eule.