Herzinfarkt-Risiko bei Männern: Kritischer Wendepunkt bereits mit Mitte 30
Herzinfarkte gelten in der öffentlichen Wahrnehmung als Erkrankung ab Mitte 50. Doch eine der bislang längsten Herz-Kreislauf-Studien weltweit zeigt: Der kritische Wendepunkt im Risikoprofil liegt für Männer deutlich früher – bereits um das 35. Lebensjahr. Die CARDIA-Studie (Coronary Artery Risk Development in Young Adults) der Northwestern University in Illinois begleitet mehr als 5.000 Personen seit 1985 – inzwischen über 34 Jahre lang. Ihre aktuellen Auswertungen liefern präzise Daten dazu, ab wann und warum sich das Herzrisiko bei Männern und Frauen unterschiedlich entwickelt. [1]
## Die Studie: 34 Jahre Herz-Kreislauf-Beobachtung
Die CARDIA-Studie startete 1985/1986 mit 5.115 Teilnehmenden im Alter von 18 bis 30 Jahren – alle zu Beginn gesund, ohne bekannte Herzerkrankungen. Sie kamen aus vier US-amerikanischen Städten und repräsentierten unterschiedliche Bildungsgruppen und ethnische Hintergründe. Seitdem wurden die Teilnehmenden in regelmäßigen Abständen untersucht: Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Bildgebung der Koronararterien und kardiovaskuläre Ereignisse wurden dokumentiert.
Das Ziel: Herausfinden, wann und wie sich Risikofaktoren in jungen Erwachsenen entwickeln – lange bevor ein Herzinfarkt eintritt.
## Das zentrale Ergebnis: Männer divergieren ab 35
Bis Anfang 30 verlaufen die Risikokurven von Männern und Frauen nahezu parallel. Dann setzt eine Divergenz ein: Ab dem Alter von ungefähr 35 Jahren steigt das Herzrisiko bei Männern schneller an als bei Frauen – unabhängig von Ethnie und Bildungsniveau. [1]
Konkret in Zahlen: Männer erreichten eine kumulative Herz-Kreislauf-Erkrankungsrate von 5 Prozent im Schnitt mit 50,5 Jahren – Frauen erst mit 57,5 Jahren. Das entspricht einem Vorsprung von sieben Jahren. Bei der koronaren Herzerkrankung (KHK) – der Hauptursache von Herzinfarkten – war die Lücke sogar noch größer: Männer erreichten eine 2-Prozent-Inzidenzrate für KHK mehr als zehn Jahre früher als Frauen.
"Die Ergebnisse zeigen, dass Vorsorge und Prävention für Herzerkrankungen möglicherweise früher im Erwachsenenalter beginnen sollten – insbesondere bei Männern", erklärte das Forschungsteam um Dr. Hongyan Ning von der Northwestern University im Rahmen der Studienpublikation. Viele Präventionsprogramme starten erst ab 40. Das könnte zu spät sein. [1]
## Warum das Risiko so früh ansteigt
Der Haupttreiber ist die koronare Herzerkrankung – eine Verengung der Herzkranzgefäße durch Ablagerungen (Arteriosklerose). Diese Veränderungen beginnen oft lange vor dem ersten Symptom. Studien zeigen, dass bei Männern schon im dritten Lebensjahrzehnt erste subklinische Gefäßveränderungen messbar sind – die dann im vierten und fünften Jahrzehnt klinisch relevant werden.
Warum Männer früher betroffen sind als Frauen, ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen:
**Hormonstatus:** Östrogen schützt Frauen bis zur Menopause vor bestimmten Arteriosklerose-Mechanismen. Männer haben diesen Schutz nicht.
**Risikoverhalten:** Männer rauchen im Schnitt häufiger, bewegen sich weniger regelmäßig und nehmen Vorsorgeuntersuchungen seltener in Anspruch – Muster, die sich bereits im jungen Erwachsenenalter zeigen.
**Fettstoffwechsel:** Männer haben im Schnitt niedrigere HDL-Werte („gutes Cholesterin") bei gleichzeitig höheren LDL-Werten – ein ungünstiges Verhältnis, das Plaquebildung begünstigt.
## Was der Deutsche Herzbericht 2025 zeigt
Der Deutsche Herzbericht 2025 der Deutschen Herzstiftung bestätigt die Relevanz früher Prävention für den deutschen Kontext. Herzinfarkt ist nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland. Jedes Jahr erleiden rund 300.000 Menschen einen Herzinfarkt – davon sterben etwa 45.000 noch vor Klinikaufnahme oder innerhalb von 28 Tagen. [2]
Besonders alarmierend: Knapp jeder zweite Erwachsene über 40 hat laut herzmedizin.de ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Und viele wissen es nicht – weil sie keine Symptome haben und nie untersucht wurden.
## Was Männer ab 35 konkret tun können
Die wichtigste Maßnahme ist eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Hausarzt. Der gesetzliche Check-up 35 ist für alle ab 35 Jahren alle drei Jahre kostenfrei. Er umfasst:
- Blutdruck messen
- Blutfette (LDL, HDL, Gesamtcholesterin, Triglyzeride)
- Blutzucker (Nüchternglukose oder HbA1c)
- Gewicht, BMI, Bauchumfang
- Beratungsgespräch zu Risikofaktoren (Rauchen, Bewegung, Ernährung)
Er gänzend empfehlen Kardiologen, das persönliche Risiko mit dem SCORE2-Kalkulator zu berechnen – einem validierten Risikomodell der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), das seit 2021 auch spezifische Daten für Deutschland enthält.
**Vier Veränderungen mit nachgewiesener Wirkung:**
1. **Nicht rauchen:** Rauchen verdoppelt das Herzinfarktrisiko. Bereits zwei Jahre nach dem Rauchstopp sinkt das Risiko messbar.
2. **30 Minuten moderate Bewegung täglich:** Zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen – alles, das Herzfrequenz und Atemfrequenz erhöht, ohne Erschöpfung.
3. **Blutdruck unter 130/80 mmHg halten:** Bluthochdruck ist der stärkste einzelne Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall.
4. **Ungesättigte Fettsäuren statt gesättigte:** Olivenöl, Nüsse, Hülsenfrüchte statt Wurst und fettreiche Milchprodukte verbessern das LDL/HDL-Verhältnis nachweislich.
## Häufige Fragen zum Herzrisiko bei jungen Männern
**Ab wann sollte ich mein Herzrisiko checken lassen?**
Ab 35 Jahren empfiehlt sich die Nutzung des gesetzlichen Check-up 35 beim Hausarzt (alle 3 Jahre kostenlos über die GKV). Bei familiärer Vorbelastung – etwa Herzinfarkt bei Vater oder Großvater vor dem 55. Lebensjahr – bereits früher.
**Was bedeutet „stille“ koronare Herzerkrankung?**
Arteriosklerose entwickelt sich über Jahrzehnte ohne Symptome. Brustschmerzen oder Luftnot treten oft erst auf, wenn mehr als 70 Prozent eines Herzkranzgefäßes verengt sind. Regelmäßige Blutfett- und Blutdruckmessungen können diese Entwicklung früh erkennen – lange bevor ein Infarkt droht.
**Spielt psychischer Stress eine Rolle?**
Ja: Chronischer Stress erhöht Cortisol und Blutdruck dauerhaft. Studien zeigen, dass beruflicher Dauerstress das Herzinfarktrisiko ähnlich stark erhöht wie leichter Bluthochdruck. Stressmanagement und ausreichend Schlaf sind deshalb Teil jeder kardiologischen Präventionsempfehlung.
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**Quellen:**
[1] Northwestern University / CARDIA-Studie: "Herzinfarkt-Risiko steigt bei Männern schon ab Mitte 30." https://www.fitbook.de/gesundheit/herzinfarktrisiko-maenner
[2] Deutsche Herzstiftung, Deutscher Herzbericht 2025. "Herzinfarkt: Todesursache Nr. 1." https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/herzbericht-2025-herzinfarkt-todesursache-nr-1
[3] t-online.de: "Herzrisiko bei Männern: Ab 35 Jahren steigt die Gefahr." https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/herz-kreislauf/id_101108850/herzrisiko-bei-maennern-ab-35-jahren-steigt-die-gefahr-deutlich-an.html
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