Fast jeder zweite Mann über 50 hat eine vergrößerte Prostata. Mit 70 sind es sieben von zehn – und ab 80 betrifft die benigne Prostatahyperplasie (BPH) nahezu alle Männer. Die 2024 aktualisierte S2e-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie deckt auf, dass viele Betroffene zu lange keine Behandlung erhalten – obwohl wirksame Optionen existieren [1].
Was eine BPH auslöst und wie sie sich äußert
Die Prostata umschließt die Harnröhre direkt unterhalb der Blase. Wächst sie, verengt sich der Kanal – mit spürbaren Folgen: Betroffene müssen häufiger zur Toilette, oft mehrmals pro Nacht (Nykturie), der Harnstrahl wird schwächer, und das Gefühl, die Blase nie ganz zu entleeren, bleibt. Diese Symptomgruppe nennt die Medizin LUTS (Lower Urinary Tract Symptoms). Zur standardisierten Einschätzung nutzen Urologen den IPSS-Fragebogen – ab einem Wert von 8 empfiehlt die Leitlinie, eine Behandlung zu erwägen [1].
BPH ist keine Krebsvorstufe. Die Vergrößerung erhöht das Risiko für Prostatakrebs nicht. Dennoch sollten Männer mit anhaltenden Harnsymptomen einen Urologen aufsuchen, um gefährlichere Ursachen wie Prostatakarzinom oder Blasensteine auszuschließen.
Medikamente und minimalinvasive Eingriffe
Die medikamentöse Erstlinientherapie teilt sich in zwei Hauptklassen. Alpha-1-Blocker wie Tamsulosin entspannen die glatte Muskulatur der Prostata und des Blasenhalses – die Wirkung setzt innerhalb weniger Tage ein. 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid hingegen verkleinern die Prostata um 20 bis 30 Prozent, brauchen aber sechs Monate bis zur vollen Wirkung und sind vor allem bei Prostatavolumina über 40 Milliliter sinnvoll. Wenn beide Substanzklassen kombiniert werden, zeigt die MTOPS-Studie signifikant bessere Ergebnisse als jede Monotherapie allein. Tadalafil, eigentlich bekannt als Mittel gegen erektile Dysfunktion, ist seit einigen Jahren auch für BPH-Symptome zugelassen [1].
Wer operationsscheu ist oder keine Medikamente dauerhaft nehmen möchte, hat zunehmend minimalinvasive Alternativen zur Wahl. UroLift spreizt die Prostata mechanisch mit kleinen Klammern auf, die REZUM-Therapie injiziert Wasserdampf direkt ins Gewebe. Für schwere Fälle oder Komplikationen wie Harnverhalt gilt die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P) weiterhin als Goldstandard [1].
Quellen
[1] Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) / AWMF. S2e-Leitlinie Benignes Prostatasyndrom (BPS). 2024. awmf.org
[2] Deutsche Apotheker Zeitung. "Benignes Prostatasyndrom: Aktualisierte Leitlinie macht Versorgungslücke deutlich." Oktober 2024. deutsche-apotheker-zeitung.de
