Glaukom (Grüner Star): Häufigste Erblindungsursache weltweit – und warum frühe Erkennung entscheidend ist
Das Glaukom – im Volksmund Grüner Star – ist weltweit die häufigste Ursache für irreversiblen Sehverlust und Erblindung. In Deutschland sind rund 900.000 Menschen betroffen, davon 80% undiagnnostiziert. Das Tücische: Schmerzen entstehen meist erst spät, und das Gesichtsfeld schwindet schleichend vom Rand her – erst wenn der zentrale Sehbereich betroffen ist, bemerken Patienten den Verlust.
Was ist ein Glaukom? Eine Gruppe von Augenerkrankungen, die den Sehnerv schädigen. Hauptmechanismus: erhöhter Augeninnendruck (>21 mmHg) schädigt Ganglienzellen der Netzhaut und deren Axone (Sehnerv = Nervus opticus). Aber Achtung: 30–40% der Glaukom-Patienten haben normalen Augeninnendruck ("Normaldruckglaukom") – vaskuläre Faktoren und Druckschwankungen spielen eine Rolle.
Häufigste Form: Primäres offenwinkeliges Glaukom (70–80%). Chronisch, schmerzlos, beidseitig. Risikogruppen: Alter >60 Jahre, positive Familienanamnese (4-fach erhöhtes Risiko), hohe Myopie, afrikanische Herkunft, Diabetes, arterielle Hypotonie.
Sonderfall: Akutes Winkelblockglaukom – Notfall! Starke Augenschmerzen, Übelkeit, gerötetes Auge, Sehverschlechterung. Sofortige Behandlung nötig.
Diagnostik (Glaukom-Vorsorge beim Augenarzt):
• Tonometrie (Augendruckmessung)
• Papillenbeurteilung (Fundoskopie): Cup-to-Disc-Ratio >0,6 verdächtig
• OCT (Optische Kohärenztomographie): mißt Nervenfaserschichtdicke
• Gesichtsfeldprüfung (Perimetrie): detektiert Ausfälle
Therapie: Ziel ist Drucksenkung (auch bei Normaldruckglaukom). Stufentherapie:
1. Augentropfen: Prostaglandinanaloga (Latanoprost, erste Wahl, 1× täglich abends, -30% Druck), Beta-Blocker (Timolol), Carboanhydrasehemmer (Dorzolamid), Alpha-Agonisten (Brimonidin). Neu: Rho-Kinase-Inhibitor Netarsudil.
2. Laser: SLT (Selektive Lasertrabekuloplastik) wirkt wie Tropfen, ist minimal-invasiv, wird in Leitlinien als Erstlinientherapie empfohlen.
3. OP: Trabekulektomie (Goldstandard), MIGS-Verfahren (minimal-invasive Glaukom-Chirurgie, z.B. iStent, Hydrus) mit weniger Nebenwirkungen.
GKV-Frühen”erkennung: Augenarzt übernimmt jährliche Kontrolle bei bekanntem Glaukom. Vorsorge-Screening (IOD-Messung) bei gesunden Personen >40 Jahre = IGeL (ca. 20–40) – lohnt sich besonders bei Familienanamnese.
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Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) Leitlinie 2022, European Glaucoma Society (EGS) Guidelines 2020, Berufsverband der Augenärzte
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