Grüner Star ohne Beschwerden – das klingt wie ein Widerspruch, ist aber die gefährlichste Eigenschaft des Glaukoms. Rund 900.000 Menschen in Deutschland sind betroffen, schätzt die European Glaucoma Society (EGS). Bis zu 80 Prozent von ihnen wissen es nicht, weil die Erkrankung den Sehnerv jahrelang still zerstört, bevor der erste Sehverlust bemerkt wird [1]. Im September 2025 hat die EGS ihre maßgeblichen Therapie-Leitlinien in 6. Auflage veröffentlicht – mit einer wichtigen Neuerung für die Behandlung.

Laser als gleichwertige Ersttherapie: Was die neue Leitlinie ändert

Bisher galt die medikamentöse Senkung des Augeninnendrucks mit Augentropfen als Standard-Ersttherapie. Die 6. EGS-Leitlinie erklärt die selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) nun ausdrücklich als gleichwertige Alternative [1]. SLT regt das Trabekelwerk – das natürliche Abflusssystem des Auges – mit Laserpulsen an, sodass der Augendruck sinkt. Der Eingriff dauert weniger als zehn Minuten, ist schmerzarm und kann bei nachlassender Wirkung wiederholt werden. Für Patienten, die täglich Tropfen nehmen müssen, ist SLT eine attraktive Option: Studien zeigen vergleichbare Drucksenkung bei besserer Therapietreue [1].

Beim fortgeschrittenen Glaukom stehen minimalinvasive Glaukomchirurgie (MIGS) und klassische filtrierende Eingriffe wie die Trabekulektomie zur Verfügung. Das Deutsche Ärzteblatt beschreibt MIGS-Verfahren als zunehmend verbreitete Option mit günstigerem Komplikationsprofil als die klassische OP [2].

Früherkennung: Warum Vorsorge entscheidend ist

Der erhöhte Augendruck ist der wichtigste Risikofaktor, aber kein verlässlicher Frühindikator: Rund ein Drittel der Glaukompatienten hat normalen Druck. Zuverlässige Diagnose erfordert eine vollständige augenärztliche Untersuchung mit Papillenbeurteilung, Gesichtsfeldtest und OCT-Messung der Nervenfaserschicht. Glaukombedingte Sehverluste sind irreversibel – verlorenes Gesichtsfeld kommt nicht zurück. Frühzeitig erkannt und behandelt, lässt sich das Fortschreiten jedoch in den meisten Fällen stoppen oder stark verlangsamen [1].

An der Universitätsmedizin Göttingen läuft seit Juli 2023 die DFG-geförderte VIRON-Studie, die transkorneale Elektrostimulation als neuroprotektives Verfahren untersucht. Das Fördervolumen beträgt 1,5 Millionen Euro über drei Jahre [3].

Quellen

[1] European Glaucoma Society. Terminology and Guidelines for Glaucoma, 6th Edition. September 2025. eugs.org

[2] Lübke K, Rosentreter A. "Minimalinvasive Glaukomchirurgie". Deutsches Ärzteblatt, 10.01.2025. aerzteblatt.de

[3] DFG-Förderung VIRON-Studie. Universitätsmedizin Göttingen, 2023.