Einer der größten deutschen Biotech-Exits der vergangenen Jahre ist perfekt: Der US-Pharmariese Gilead Sciences übernimmt das Münchner Unternehmen Tubulis für bis zu fünf Milliarden US-Dollar. Die Vereinbarung wurde am 7. April 2026 bekannt gegeben. [1] Tubulis entwickelt sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate – eine vielversprechende Klasse von Krebsmedikamenten, die Wirkstoffe gezielt in Tumorzellen transportieren, ohne gesundes Gewebe zu schädigen.

Was ist Tubulis?

Tubulis ist ein klinisches Biotechnologieunternehmen mit Sitz in Planegg-Martinsried bei München. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten spezialisiert – kurz ADCs, vom englischen Antibody-Drug Conjugates. ADCs funktionieren wie biologische Raketen: Ein Antikörper erkennt gezielt ein Eiweiß auf der Oberfläche von Krebszellen, andockt und gibt dann seinen enthaltenen Wirkstoff direkt in die Zelle ab. Gesundes Gewebe bleibt weitgehend verschont.

Tubulis nutzt dafür proprietäre Plattformtechnologien, die den Antikörper besonders stabil koppeln und die Wirkstoffabgabe am Tumor optimieren sollen. Das Unternehmen beschäftigt integrierte Fähigkeiten in Entdeckung, Herstellung und klinischer Entwicklung.

Das Leitprogramm TUB-040 richtet sich gegen das Protein NaPi2b, das auf bestimmten Krebszellen überexprimiert vorkommt. Es befindet sich in einer Phase-1b/2-Studie bei Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs sowie nicht-kleinzelligem Lungenkrebs – zwei Krebsarten, bei denen neue Therapieoptionen dringend gesucht werden. Beim ESMO-Kongress im Oktober 2025 berichtete Tubulis über eine Gesamtansprechrate von 59 Prozent bei platinresistentem Eierstockkrebs – ein starkes Signal für ein frühes Entwicklungsstadium. [2] Ein zweites Programm, TUB-030, zielt auf das Protein 5T4 ab und zeigt ersten klinischen Daten zufolge Aktivität über verschiedene solide Tumoren hinweg.

Der Deal: Was Gilead zahlt

Gilead Sciences zahlt zunächst 3,15 Milliarden US-Dollar in bar. Hinzu kommen bis zu 1,85 Milliarden Dollar in erfolgsabhängigen Meilensteinzahlungen – etwa wenn TUB-040 bestimmte klinische Stufen erreicht oder die Zulassung erlangt. Der Abschluss der Transaktion wird für das zweite Quartal 2026 erwartet. [1]

Für Gilead ist es die dritte große Übernahme in diesem Jahr, nach der Arcellx-Akquisition für 7,8 Milliarden Dollar und dem Erwerb von Ouro Medicines für 2 Milliarden Dollar. Das Unternehmen baut damit konsequent sein Onkologie-Portfolio aus. Gilead-CEO Daniel O'Day erklärte, der Deal sei "ein bedeutender Meilenstein in Gileads Fortschritt in der Onkologie" – die bestehende Partnerschaft habe Überzeugung in Tubulis' Programme und Forschungskapazitäten geweckt. [2]

Nach dem Abschluss wird Tubulis als eigenständige ADC-Forschungsorganisation innerhalb von Gilead weiteroperieren. Der Münchner Standort bleibt erhalten und soll als Innovationszentrum für ADC-Forschung fungieren.

Die Investoren: Ein Rekord-Exit für HTGF und Bayern Kapital

Zu den Hauptinvestoren von Tubulis gehören der High-Tech Gründerfonds (HTGF), Bayern Kapital, Seventure Partners, Andera Partners und EQT Life Sciences. Für den HTGF ist es der bislang wertvollste Exit überhaupt – und gleichzeitig der dritte Unicorn-Exit im Life-Sciences-Portfolio. Der Fonds hatte Tubulis bereits vor der Gründung begleitet, die Series A 2020 mitgeführt und beim Series-C-Investment 2025 seinen bislang größten Einzeleinsatz aus dem Wachstumsfonds gesetzt. Im Oktober 2024 hatte Tubulis eine Series C über 344 Millionen Euro (rund 401 Millionen Dollar) abgeschlossen. [3]

Auch EQT Life Sciences hatte im Rahmen der Series-B2-Finanzierung im März 2024 investiert. Der Exit über die Gilead-Transaktion markiert einen erfolgreichen Abschluss dieser Beteiligung.

Einordnung: Was der Exit für den deutschen Biotech-Standort bedeutet

Der Tubulis-Exit zeigt, dass Bayern und Deutschland als Biotech-Standorte zunehmend international Beachtung finden. Planegg-Martinsried, direkt vor den Toren Münchens, gilt als eines der aktivsten Life-Sciences-Cluster in Deutschland – mit Proximity zu LMU, TU München und zahlreichen Max-Planck-Instituten. Tubulis entstand aus diesem akademischen Umfeld heraus.

Für den deutschen Risikokapitalmarkt ist der Deal ein Signal: Frühphasen-Investments in klinische Biotechs können zu milliardenschweren Exits führen – selbst wenn der internationale Vergleich (wo ADC-Deals in den USA regelmäßig höhere Summen erzielen) weiterhin Luft nach oben zeigt. Fonds wie HTGF und Bayern Kapital, die auf Frühphaseninvestitionen in Deutschland spezialisiert sind, können solche Exits als Referenz nutzen, um weiteres Kapital für die Branche zu mobilisieren.

Für Patientinnen und Patienten ist der Übergang zu Gilead ambivalent: Das US-Unternehmen hat die Ressourcen und die Infrastruktur, TUB-040 durch teure, langwierige Phase-2- und Phase-3-Studien zu bringen. Gleichzeitig entscheidet nun ein globaler Konzern über Tempo und Prioritäten der Entwicklung in München.

Häufige Fragen

Was macht Tubulis?
Tubulis entwickelt Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) – Krebsmedikamente, die Wirkstoffe gezielt in Tumorzellen transportieren. Das Leitprogramm TUB-040 befindet sich in einer frühen klinischen Studie bei Eierstockkrebs und Lungenkrebs.

Wie viel zahlt Gilead für Tubulis?
3,15 Milliarden US-Dollar sofort plus bis zu 1,85 Milliarden in Meilensteinzahlungen – insgesamt bis zu 5 Milliarden Dollar.

Bleibt der Münchner Standort erhalten?
Ja. Tubulis wird als eigenständige ADC-Forschungseinheit innerhalb von Gilead weitergeführt, der Standort Planegg-Martinsried bei München bleibt Zentrum der ADC-Innovation.

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Quellen:
[1] Majunke.com. "Gilead to Acquire HTGF-Backed Biotech Tubulis for Up to $5 Billion." 07.04.2026. https://majunke.com/gilead-to-acquire-htgf-backed-biotech-tubulis-for-up-to-5-billion
[2] BioSpace. "Gilead Swallows Another Partner, Paying up to $5B for ADC Specialist Tubulis." 07.04.2026. https://www.biospace.com/business/gilead-swallows-another-partner-paying-up-to-5-b-for-adc-specialist-tubulis
[3] EQT Group. "EQT Life Sciences to exit minority stake in Tubulis via sale to Gilead Sciences for up to USD 5.0 billion." 07.04.2026. https://eqtgroup.com/news/eqt-life-sciences-to-exit-minority-stake-in-tubulis-via-sale-to-gilead-sciences-for-up-to-usd-50-billion-2026-04-07