Gender Heart Gap: Warum Frauen schlechter bei Herzinfarkten versorgt werden
Am 8. März 2026 rückte die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit dem Fitnessunternehmen FitX den sogenannten "Gender Heart Gap" in den Mittelpunkt. Die Botschaft: Frauen sterben in Deutschland fast doppelt so häufig an den Folgen eines Herzinfarkts wie Männer – und das, obwohl Herzerkrankungen auch bei Frauen die häufigste Todesursache sind. [1]
Mehr als jede zweite Frau fühlt sich laut Befragungen beim Arztbesuch mit Herzbeschwerden nicht ernst genommen. Das hat medizinische Konsequenzen: Frauen bekommen seltener eine leitliniengerechte Behandlung – weniger Aspirin, weniger Schmerzmedikamente, weniger Herzkatheter-Untersuchungen.
## Herzinfarkt bei Frauen: Andere Symptome, spätere Diagnose
Das Bild des Herzinfarkts – plötzlicher Schmerz in der linken Brust, der in den Arm ausstrahlt – ist vor allem auf Männern zugeschnitten. Bei Frauen äußert sich ein Herzinfarkt häufig anders:
- Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen
- Extreme Erschöpfung, die Tage vor dem Infarkt beginnt
- Atemnot ohne deutliche Brustschmerzen
- Schmerzen im Rücken, Kiefer oder Nacken
- Kalter Schweiß und Schwindel
Diese Symptome werden oft als Magen-Darm-Problem oder Erschöpfung fehlgedeutet – sowohl von den Betroffenen selbst als auch von medizinischem Fachpersonal. Das kostet wertvolle Zeit. [2]
## Fünf Risikofaktoren erklären den Großteil der Fälle
Laut aktueller ESC-Leitlinie erklären vor allem fünf Faktoren das kardiovaskuläre Risiko:
1. Bluthochdruck
2. Erhöhter LDL-Cholesterinspiegel
3. Rauchen
4. Diabetes mellitus Typ 2 (bei Frauen erhöht es das Herzrisiko stärker als bei Männern)
5. Übergewicht und Bewegungsmangel
Für Frauen gibt es zusätzlich geschlechtsspezifische Risikofaktoren: Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie, frühzeitige Menopause und Autoimmunerkrankungen. [3]
## Schlechter versorgt: Was die Daten zeigen
Bei Frauen, die mit Herzinfarkt eingeliefert werden, wird seltener innerhalb der empfohlenen 90 Minuten ein Herzkatheter eingeführt. Die 30-Tage-Sterblichkeit ist bei Frauen fast dreimal so hoch wie bei Männern – nach fünf Jahren immer noch doppelt so hoch. [2]
Das BMBF fördert im Wissenschaftsjahr 2026 insgesamt 43 Forschungsprojekte mit 5,7 Millionen Euro, um den Gender Data Gap in der Medizin zu schließen. [4]
## Prävention: Was Frauen jetzt tun können
- Blutdruck regelmäßig messen – ab 18 Jahren mindestens alle zwei Jahre
- Cholesterin beim Check-up prüfen lassen – kostenlos ab 35 Jahren
- Schwangerschaftskomplikationen dokumentieren und dem Hausarzt mitteilen
- Nicht rauchen
- Auf atypische Symptome achten – Erschöpfung, Übelkeit und Rückenschmerzen können Herzwarnsignale sein
Im Notfall sofort den Notruf 112 wählen – nicht abwarten, nicht selbst fahren.
## Neue Leitlinien fordern mehr Gleichberechtigung
Die ESC hat in ihren 2023 aktualisierten Leitlinien zur kardiovaskulären Prävention explizit geschlechtsspezifische Risikofaktoren aufgenommen. Gynäkologinnen sollen routinemäßig kardiovaskuläre Risikofaktoren ansprechen – etwa bei der jährlichen Krebsvorsorge. Studien zeigen, dass Frauen digitale Gesundheitsangebote häufig aktiver nutzen als Männer – hier liegt eine Chance, den Gender Heart Gap durch Prävention zu verkleinern. [3]
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**Quellen:**
[1] Deutsche Herzstiftung, März 2026. https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/weltfrauentag-fitx
[2] Management Krankenhaus, 2026. https://management-krankenhaus.de/de/news/frauenherzen-schlagen-anders-zeit-zu-handeln
[3] ESC Guidelines 2023 on Cardiovascular Disease Prevention. https://academic.oup.com/eurheartj/article/44/40/4245/7238709
[4] BMBF Wissenschaftsjahr 2026. https://www.wissenschaftsjahr.de/fileadmin/BMBF-Wissenschaftsjahr-2026/Presse/WJ26_Hintergrundtext_Frauengesundheit.pdf
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