Deutsche Herzstiftung

Gender Heart Gap: Warum Frauen schlechter bei Herzinfarkten versorgt werden

March 30, 2026

Am 8. März 2026 rückte die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit dem Fitnessunternehmen FitX den sogenannten "Gender Heart Gap" in den Mittelpunkt. Die Botschaft: Frauen sterben in Deutschland fast doppelt so häufig an den Folgen eines Herzinfarkts wie Männer – und das, obwohl Herzerkrankungen auch bei Frauen die häufigste Todesursache sind. [1] Mehr als jede zweite Frau fühlt sich laut Befragungen beim Arztbesuch mit Herzbeschwerden nicht ernst genommen. Das hat medizinische Konsequenzen: Frauen bekommen seltener eine leitliniengerechte Behandlung – weniger Aspirin, weniger Schmerzmedikamente, weniger Herzkatheter-Untersuchungen. ## Herzinfarkt bei Frauen: Andere Symptome, spätere Diagnose Das Bild des Herzinfarkts – plötzlicher Schmerz in der linken Brust, der in den Arm ausstrahlt – ist vor allem auf Männern zugeschnitten. Bei Frauen äußert sich ein Herzinfarkt häufig anders: - Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen - Extreme Erschöpfung, die Tage vor dem Infarkt beginnt - Atemnot ohne deutliche Brustschmerzen - Schmerzen im Rücken, Kiefer oder Nacken - Kalter Schweiß und Schwindel Diese Symptome werden oft als Magen-Darm-Problem oder Erschöpfung fehlgedeutet – sowohl von den Betroffenen selbst als auch von medizinischem Fachpersonal. Das kostet wertvolle Zeit. [2] ## Fünf Risikofaktoren erklären den Großteil der Fälle Laut aktueller ESC-Leitlinie erklären vor allem fünf Faktoren das kardiovaskuläre Risiko: 1. Bluthochdruck 2. Erhöhter LDL-Cholesterinspiegel 3. Rauchen 4. Diabetes mellitus Typ 2 (bei Frauen erhöht es das Herzrisiko stärker als bei Männern) 5. Übergewicht und Bewegungsmangel Für Frauen gibt es zusätzlich geschlechtsspezifische Risikofaktoren: Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie, frühzeitige Menopause und Autoimmunerkrankungen. [3] ## Schlechter versorgt: Was die Daten zeigen Bei Frauen, die mit Herzinfarkt eingeliefert werden, wird seltener innerhalb der empfohlenen 90 Minuten ein Herzkatheter eingeführt. Die 30-Tage-Sterblichkeit ist bei Frauen fast dreimal so hoch wie bei Männern – nach fünf Jahren immer noch doppelt so hoch. [2] Das BMBF fördert im Wissenschaftsjahr 2026 insgesamt 43 Forschungsprojekte mit 5,7 Millionen Euro, um den Gender Data Gap in der Medizin zu schließen. [4] ## Prävention: Was Frauen jetzt tun können - Blutdruck regelmäßig messen – ab 18 Jahren mindestens alle zwei Jahre - Cholesterin beim Check-up prüfen lassen – kostenlos ab 35 Jahren - Schwangerschaftskomplikationen dokumentieren und dem Hausarzt mitteilen - Nicht rauchen - Auf atypische Symptome achten – Erschöpfung, Übelkeit und Rückenschmerzen können Herzwarnsignale sein Im Notfall sofort den Notruf 112 wählen – nicht abwarten, nicht selbst fahren. ## Neue Leitlinien fordern mehr Gleichberechtigung Die ESC hat in ihren 2023 aktualisierten Leitlinien zur kardiovaskulären Prävention explizit geschlechtsspezifische Risikofaktoren aufgenommen. Gynäkologinnen sollen routinemäßig kardiovaskuläre Risikofaktoren ansprechen – etwa bei der jährlichen Krebsvorsorge. Studien zeigen, dass Frauen digitale Gesundheitsangebote häufig aktiver nutzen als Männer – hier liegt eine Chance, den Gender Heart Gap durch Prävention zu verkleinern. [3] Passende Gesundheits-Apps und digitale Angebote zur Herzgesundheit findest du auf bestes.com/services. --- **Quellen:** [1] Deutsche Herzstiftung, März 2026. https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/weltfrauentag-fitx [2] Management Krankenhaus, 2026. https://management-krankenhaus.de/de/news/frauenherzen-schlagen-anders-zeit-zu-handeln [3] ESC Guidelines 2023 on Cardiovascular Disease Prevention. https://academic.oup.com/eurheartj/article/44/40/4245/7238709 [4] BMBF Wissenschaftsjahr 2026. https://www.wissenschaftsjahr.de/fileadmin/BMBF-Wissenschaftsjahr-2026/Presse/WJ26_Hintergrundtext_Frauengesundheit.pdf
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