EULAR 2025: Neue Rheuma-Leitlinie empfiehlt vorsichtigeren Einsatz von JAK-Inhibitoren
Die Europäische Liga gegen Rheuma (EULAR) hat im März 2026 ihre aktualisierten Empfehlungen für die Behandlung der Rheumatoiden Arthritis (RA) veröffentlicht. Die Leitlinie wurde von einer internationalen Arbeitsgruppe aus 50 Experten unter Leitung von Prof. Josef Smolen (Medizinische Universität Wien) erstellt und in den Annals of the Rheumatic Diseases publiziert (DOI: 10.1016/j.ard.2026.01.023) [1]. Wesentliche Änderung: JAK-Inhibitoren wie Baricitinib, Tofacitinib und Upadacitinib sollen künftig erst nach sorgfältiger Risikoabwägung eingesetzt werden – insbesondere bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren.
## Was ist Rheumatoide Arthritis?
Rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung und betrifft in Deutschland rund 550.000 Menschen, überwiegend Frauen zwischen 40 und 70 Jahren. Die Erkrankung ist eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem greift die Gelenkschleimhaut (Synovialis) an, was zu chronischer Entzündung, Knorpelabbau und langfristig irreversiblen Gelenkdeformitäten führt.
Unbehandelt oder schlecht behandelt, führt RA innerhalb weniger Jahre zu messbarem Funktionsverlust. Dank moderner Therapie – konsequent eingesetzt – erreichen heute jedoch rund 40 bis 50 Prozent der Patienten eine klinische Remission, also ein nahezu symptomfreies Stadium [2].
## Das neue EULAR 2025 Update: Was ändert sich?
Das EULAR-Update baut auf den Empfehlungen von 2022 auf und integriert Sicherheitsdaten aus dem ORAL Surveillance-Programm zu Tofacitinib sowie Real-World-Daten zu neueren JAK-Inhibitoren [1].
Die wichtigsten Änderungen:
**1. JAK-Inhibitoren: Nur nach Risikoabwägung**
JAK-Inhibitoren (Januskinase-Hemmer) sind hochwirksam, haben aber ein spezifisches Risikoprofil: erhöhtes Risiko für schwerwiegende Infektionen, Herpes zoster, kardiovaskuläre Ereignisse (besonders bei Tofacitinib) und maligne Erkrankungen bei bestimmten Patientengruppen. Die neue Leitlinie empfiehlt:
- JAK-Inhibitoren sind weiterhin nach biologischen DMARDs (bDMARDs) zugelassen
- Vor Einsatz: Dokumentation des kardiovaskulären Risikos, Impfstatus (Zoster!), Malignom-Anamnese
- Bei Patienten über 65, Rauchern oder kardiovaskulärer Vorerkrankung: Biologika (TNF-Inhibitoren, IL-6-Blocker) bevorzugen [1]
**2. Dosisreduktion statt Absetzen bei Remission**
Erreicht ein Patient unter Therapie eine stabile Remission, empfiehlt EULAR 2025 nun explizit eine schrittweise Dosisreduktion – statt eines vollständigen Therapieabbruchs. Studien zeigen: Bei zu raschem Absetzen kommt es in 30 bis 50 Prozent der Fälle zum Krankheitsschub (Flare), der die Gelenkdestruktion vorantreibt [1].
**3. Methotrexat bleibt Eckpfeiler der Ersttherapie**
Methotrexat (MTX) bleibt das Basismedikament der Erstlinientherapie bei RA. Es ist kostengünstig, gut verträglich und seit Jahrzehnten als DMARD etabliert. Glukokortikoide werden nur noch als kurzfristige Überbrückungstherapie empfohlen – nicht als Dauertherapie wegen der bekannten Langzeitrisiken (Osteoporose, Diabetes, Infektionsrisiko) [2].
## Frühzeitig behandeln: Das Zeitfenster entscheidet
Ein zentrales Prinzip bleibt unverändert: Das therapeutische Fenster liegt in den ersten drei bis sechs Monaten nach Symptombeginn. Wer in diesem Zeitraum behandelt wird, hat statistisch messbar bessere Langzeitergebnisse – bis hin zur Remission ohne bleibende Gelenkschäden. Wer zu lange wartet, riskiert irreversible erosive Veränderungen, die auch unter optimaler Therapie nicht vollständig rükgängig zu machen sind [2].
Frühzeichen, die zur schnellen Abklärung führen sollten:
- Symmetrische Gelenkschwellungen, besonders an Fingern und Zehen
- Morgensteifigkeit über 30 Minuten
- Allgemeine Erschöpfung, Leistungsabfall, grippeaähnliches Gefühl ohne erkennbare Ursache
MRT und Gelenkultraschall können Entzündungen Wochen früher als konventionelles Röntgen sichtbar machen – wichtig in der Frühphase, wenn Labor- und Röntgenbefunde noch unaufällig sein können.
## Biologika und JAK-Inhibitoren: Welche Option für wen?
Bei unzureichendem Ansprechen auf MTX kommen biologische DMARDs zum Einsatz:
- **TNF-Inhibitoren** (Adalimumab, Etanercept, Certolizumab): bewährteste Klasse, breites Sicherheitsprofil, auch als Biosimilar verfügbar
- **IL-6-Blocker** (Tocilizumab, Sarilumab): besonders wirksam bei systemischen Entzündungszeichen und CRP-Erhöhung
- **CD20-Antikörper** (Rituximab): Option bei Versagen anderer Biologika oder bei besonderen Kontraindikationen
- **JAK-Inhibitoren** (Baricitinib, Upadacitinib, Filgotinib): oral wirksam, schneller Wirkungseintritt – aber ab 2025 mit verschärfter Risikoabwägung [1]
Das Treat-to-Target-Konzept (T2T) bleibt Standard: Ziel ist Remission oder zumindest niedrige Krankheitsaktivität, gemessen alle 4 bis 8 Wochen anhand des DAS28-Scores. Wird das Ziel nicht erreicht, wird die Therapie eskaliert.
## Begleittherapie und Alltag
Medikamente allein reichen nicht aus. Die EULAR-Leitlinie betont ergänzend:
- **Bewegung**: Gelenkschonendes Ausdauertraining (Schwimmen, Radfahren) und Physiotherapie verbessern Funktion und Lebensqualität
- **Ergotherapie**: Gelenkschutz, Hilfsmittelversorgung, Alltagsstrategien
- **Rauchentwohnung**: Rauchen erhöht die Krankheitsaktivität und reduziert die Wirksamkeit von Biologika nachweislich
- **Telemedizin und Digitale Tools**: Apps für Symptomtagebücher und Medikamentenmanagement können die Kommunikation mit dem Rheumatologen verbessern
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## Häufige Fragen
**Sind JAK-Inhibitoren jetzt verboten?**
Nein. JAK-Inhibitoren bleiben zugelassen und wirksam. Die neue EULAR-Empfehlung fordert lediglich eine sorgfältigere Risikoabwägung vor dem Einsatz – besonders bei älteren Patienten und bei kardiovaskulären Vorerkrankungen.
**Wie erkenne ich einen RA-Schub (Flare)?**
Typische Schub-Zeichen: Zunehmen der Gelenkschwellungen, Morgensteifigkeit über 60 Minuten, Abfall der Alltagsfunktion, erhöhtes CRP und BSG im Blut. Bei Schubverdacht sofort Rheumatologen kontaktieren.
**Kann ich mit RA Sport treiben?**
Ja – gelenkschonendes Training ist ausdrücklich empfohlen. Schwimmen, Fahrradfahren und Walking im schmerzfreien Bereich erhalten Muskelmasse, verbessern Knochendichte und Lebensqualität. Studien zeigen, dass regelmäßige moderate körperliche Aktivität die Krankheitsaktivität messbar senkt und die Wirksamkeit von DMARDs unterstützt.
**Welche Impfungen sind bei RA wichtig?**
Vor Beginn einer Biologika- oder JAK-Inhibitor-Therapie sollte der Impfstatus vollständig sein. Besonders empfohlen: Zoster (Lebendimpfstoff vor Therapiebeginn!), Influenza (jährlich), Pneumokokken und COVID-19. Lebendimpfstoffe sind unter Biologikatherapie kontraindiziert – daher Impfplan vor Therapiestart klären [2].
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**Quellen:**
[1] Smolen JS et al. EULAR recommendations for the management of rheumatoid arthritis with synthetic and biologic disease-modifying antirheumatic drugs: 2025 update. Ann Rheum Dis. 2026. DOI: 10.1016/j.ard.2026.01.023. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41826212/
[2] Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Leitlinien Rheumatoide Arthritis. https://www.dgrh.de/Start/Publikationen/Leitlinien/DGRh-Leitlinien-(federf%C3%BChrend)/Rheumatoide-Arthritis.html
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