Erstes Medikament, das Typ-1-Diabetes um Jahre verzögert, in EU zugelassen
Seit dem 8. Januar 2026 ist in Europa ein Medikament zugelassen, das den Ausbruch von Typ-1-Diabetes um durchschnittlich zwei Jahre hinauszögern kann. Teizeild (Wirkstoff: Teplizumab) von Sanofi ist das erste Präparat seiner Art, das in der EU eine Marktzulassung erhalten hat [1]. Ab dem 16. Februar 2026 ist es in deutschen Apotheken bestellbar.
## Was Typ-1-Diabetes so besonders macht
Typ-1-Diabetes entsteht, wenn das eigene Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Das Tückische: Der Körper zerstört bereits jahrelang diese Zellen, bevor die ersten Symptome auftreten. Mediziner unterscheiden deshalb drei Stadien: Im Stadium 1 und 2 hat der Körper noch ausreichend Insulinreserven. Erst in Stadium 3 beginnt der klinisch sichtbare Diabetes.
In Deutschland leben rund 340.000 Menschen mit Typ-1-Diabetes. Viele sind Kinder, wenn die Diagnose gestellt wird. Bisher konnte die Medizin den Ausbruch nicht verhindern – nur behandeln. Teizeild ändert das erstmals.
## Wie Teplizumab funktioniert
Teplizumab ist ein Antikörper, der gezielt in das Immunsystem eingreift. Er bindet an eine bestimmte Gruppe von T-Zellen – genau jene, die die Betazellen angreifen – und bremst deren Aktivität.
In der entscheidenden TrialNet-Studie verzögerte Teplizumab den Übergang in Stadium 3 um median 32 Monate. In der Placebo-Gruppe entwickelten 72 Prozent der Teilnehmer innerhalb von fünf Jahren den klinischen Diabetes, in der Teplizumab-Gruppe waren es nur 43 Prozent [1].
Das Medikament wird als Infusion über 14 aufeinanderfolgende Tage gegeben – also eine einmalige Behandlung, keine lebenslange Dauertherapie.
## Wer das Medikament bekommen kann
Teizeild ist für Erwachsene und Kinder ab acht Jahren zugelassen, die sich in Stadium 2 befinden. Das bedeutet: Zwei oder mehr Inselzell-Antikörper sind nachweisbar, und der Blutzucker zeigt erste Auffälligkeiten.
Die Kosten der Behandlung werden voraussichtlich von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Abschließende Erstattungsentscheidungen stehen noch aus.
## Was Betroffene und Familien wissen sollten
Wer Typ-1-Diabetes in der Familie hat, kann mit dem Arzt über ein Screening auf Inselzell-Antikörper sprechen. Dieser einfache Bluttest kann zeigen, ob jemand in Stadium 1 oder 2 ist und damit potenziell von Teplizumab profitieren würde.
Wichtig: Teplizumab stoppt den Diabetes nicht dauerhaft und ist kein Heilmittel. Es verschafft Betroffenen wertvolle Zeit – für ein Kind bedeuten zwei oder drei Jahre ohne Insulinpflicht eine komplett andere Schulzeit.
## Was kommt nach Teplizumab
Teplizumab ist der erste Vertreter einer neuen Klasse von Medikamenten, die Autoimmunerkrankungen des Pankreas an der Wurzel angreifen wollen. In den USA laufen aktuell mehrere Phase-II- und Phase-III-Studien mit weiteren immunmodulierenden Substanzen wie Abatacept und Golimumab.
Das Freder1k-Programm in Deutschland, das bereits Hunderttausende Kinder auf Inselzell-Antikörper getestet hat, zeigt: Rund 0,3 bis 0,5 Prozent der gescreenten Kinder befinden sich in Stadium 1 oder 2. Für Familien mit erhöhtem Risiko – also mit einem Elternteil oder Geschwisterkind mit Typ-1-Diabetes – ist die praktische Empfehlung klar: Antikörpertest ab dem zweiten Lebensjahr. Wer weiß, dass ein Kind in Stadium 2 ist, kann handeln – und mit Teplizumab erstmals aktiv eingreifen.
## Häufige Fragen
**Ist Teizeild bereits in deutschen Apotheken erhältlich?**
Ja. Seit dem 16. Februar 2026 kann Teizeild in Apotheken bestellt werden. Das Präparat muss von einem spezialisierten Arzt verordnet werden.
**Wie erkennt man Stadium 2 des Typ-1-Diabetes?**
Nur durch einen Bluttest auf Inselzell-Antikörper. Keine Symptome – deshalb muss aktiv gesucht werden.
**Zahlt die Krankenkasse das Medikament?**
Die Erstattungsentscheidung steht noch aus. Eine G-BA-Nutzenbewertung ist eingeleitet.
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**Quellen:**
[1] Sanofi. "Sanofi's Teizeild approved in the EU for patients with stage 2 type 1 diabetes." 12. Januar 2026. https://www.sanofi.com/en/media-room/press-releases/2026/2026-01-12-06-00-00-3216525
[2] Herold KC et al. "An Anti-CD3 Antibody, Teplizumab, in Relatives at Risk for Type 1 Diabetes." NEJM. 2019.
[3] Deutsche Apotheker Zeitung. "Teplizumab: Erstes Medikament zur Verzögerung von Typ-1-Diabetes zugelassen." 13. Januar 2026.
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