Ein Jahr nach dem bundesweiten Rollout der elektronischen Patientenakte (ePA) zieht die Gematik, die nationale Agentur für digitale Medizin, eine positive Bilanz: Mehr als 100 Millionen Dokumente wurden bis Mitte April 2026 in die ePA eingestellt – Befunde, Arztbriefe, Laborwerte und Medikamentenlisten, die behandelnden Ärzten mit Einwilligung der Patienten zugänglich sind [1]. Die Zahl gilt als Beleg, dass die digitale Akte im deutschen Versorgungsalltag angekommen ist.
Was steckt hinter der 100-Millionen-Marke?
Von den insgesamt mehr als 100 Millionen Dokumenten seit Einführung entfällt der größte Teil auf medizinische Befunde und ärztliche Berichte, gefolgt von elektronischen Arztbriefen. Allein im Februar und März 2026 wurden 25 Millionen Dokumente neu hochgeladen – ein Zeichen, dass die Nutzung zunehmend zur Routine wird [1]. Insgesamt wurden seit dem Start 37,4 Millionen Dokumenten-Downloads verzeichnet, also Abrufe durch Praxen und Patienten selbst.
Besonders häufig greift das medizinische Personal auf Medikamentendaten zu: Im Durchschnitt werden wöchentlich mehr als 21 Millionen Medikationslisten abgerufen [1]. Dahinter stehen vor allem Hausärzte und Apotheker, die prüfen, welche Mittel ein Patient bereits verschrieben bekommen hat – und so Wechselwirkungen oder Doppelverschreibungen vermeiden können.
Wer nutzt die ePA – und wer noch nicht?
Rund 73 Millionen der etwa 74 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland haben von ihrer Krankenkasse eine ePA erhalten – das ist die Konsequenz des sogenannten Opt-out-Prinzips, das seit Anfang 2025 gilt [2]. Wer keine ePA möchte, muss aktiv widersprechen. Wer nicht widersprochen hat, bekommt automatisch eine Akte angelegt.
Allerdings klaffen Anlage und aktive Nutzung noch auseinander: Nur 5,1 Millionen Versicherte haben eine sogenannte GesundheitsID eingerichtet, mit der sie selbst über eine App auf ihre Akte zugreifen können. Das entspricht knapp sieben Prozent aller GKV-Versicherten [1]. Auf der Seite der Leistungserbringer sieht es besser aus: 93.000 Arzt- und Zahnarztpraxen greifen wöchentlich auf die ePA zu, Kliniken stellen rund 90.000 Dokumente pro Woche ein (Stand März 2026) [1].
Seit dem 1. Oktober 2025 sind Praxen und Krankenhäuser gesetzlich verpflichtet, wichtige Dokumente – wie Entlassbriefe, Laborbefunde und Medikamentenpläne – in die ePA der Patienten einzustellen. Das hat die Befüllung der Akten beschleunigt [2].
Was Patienten jetzt konkret nutzen können
Neben Befunden und Arztbriefen sind in der ePA bereits 5,5 Millionen Zahnbonushefte digital abrufbar [1]. Das Bonus-Heft dokumentiert regelmäßige Zahnarztbesuche – wer es über Jahre lückenlos führt, bekommt bei Zahnersatz einen höheren Kassenzuschuss. Das digitale Exemplar ersetzt das Papierheft.
Die technische Verfügbarkeit liegt seit Einführung bei 99,9 Prozent – Ausfallzeiten sind die Ausnahme geblieben.
Was 2026 noch kommt: Medikationsplan und mehr
Im Sommer 2026 soll die ePA um einen strukturierten elektronischen Medikationsplan erweitert werden. Er soll über die bloße Liste hinausgehen und Dosierungshinweise sowie Einnahmeempfehlungen in maschinenlesbarer Form enthalten – ein Ziel, das Kliniken, Praxen und Apotheken bessere Schnittstellen untereinander ermöglicht [2].
Parallel läuft die Diskussion über den Einsatz von ePA-Daten für die Forschung. Das Bundesgesundheitsministerium plant, de-identifizierte Patientendaten über das Forschungsdatenzentrum Gesundheit für wissenschaftliche Studien zugänglich zu machen. Versicherte können dem widersprechen [2].
Häufige Fragen
Wie aktiviere ich meinen Zugriff auf die eigene ePA? Über die App Ihrer Krankenkasse oder eine der zertifizierten ePA-Apps können Sie eine GesundheitsID einrichten. Dafür brauchen Sie Ihren Personalausweis oder die Online-Ausweisfunktion.
Was tun, wenn ich keine ePA möchte? Sie können der ePA gegenüber Ihrer Krankenkasse jederzeit widersprechen – formlos per Brief, E-Mail oder in der Geschäftsstelle.
Tipp: Im Bestes Gesundheitstagebuch speicherst du Werte, Befunde und Medikamente an einem Ort – und erkennst Verläufe auf einen Blick.
Quellen:
[1] gematik GmbH. "Ein Jahr 'ePA für alle': Mehr als 100 Millionen hinterlegte Dokumente." 15.04.2026. gematik.de
[2] Bundesministerium für Gesundheit (BMG). "Die ePA für alle." bundesgesundheitsministerium.de
