Seit dem 15. Januar 2025 erhalten alle gesetzlich Versicherten in Deutschland automatisch eine elektronische Patientenakte (ePA). Doch die Einführung in Kliniken und Krankenhäusern gestaltet sich schwieriger als geplant: Eine Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) aus dem ersten Quartal 2026 zeigt, dass rund 60 Prozent der Kliniken erhebliche technische und organisatorische Probleme bei der ePA-Integration melden. [1]

Was ist die ePA und was soll sie leisten?

Die elektronische Patientenakte ist eine digitale Akte, in der Diagnosen, Medikamentenpläne, Befunde, Arztbriefe, Impfnachweise und weitere Gesundheitsdaten zentral gespeichert werden. Ziel ist es, dass Ärzte, Kliniken und andere Leistungserbringer jederzeit auf alle relevanten Informationen eines Patienten zugreifen können – mit dessen Einwilligung. Das soll doppelte Untersuchungen vermeiden, die Behandlungsqualität verbessern und im Notfall Leben retten. [2]

Die ePA gilt nach Opt-out-Prinzip: Sie wird automatisch angelegt. Wer keine ePA möchte, muss aktiv widersprechen.

Rollout in Kliniken: Technische Hürden

Während niedergelassene Ärzte seit 2021 schrittweise an die Telematikinfrastruktur angebunden wurden, stehen viele Krankenhäuser vor größeren Integrationsproblemen. Ältere Krankenhausinformationssysteme (KIS) lassen sich oft nicht reibungslos mit der neuen Infrastruktur verbinden. Zudem fehlen in vielen Häusern die personellen Ressourcen für die notwendige IT-Umstellung.

Die DKG-Umfrage ergab: Nur 40 Prozent der befragten Kliniken konnten den ePA-Zugriff im ersten Quartal 2026 vollständig implementieren. Als häufigste Probleme wurden Schnittstellenprobleme zwischen KIS und ePA-Konnektoren, fehlende Schulungen und ungeklärte Haftungsfragen genannt. [1]

Warum das für Patienten relevant ist

Für Patienten bedeutet die ePA im besten Fall: Der behandelnde Arzt kennt alle relevanten Vorerkrankungen, Allergien und Medikamente – auch wenn er sie zum ersten Mal sieht. Das ist besonders im Notfall entscheidend. Fehlerhafte oder fehlende Informationen gehören zu den häufigsten Ursachen für vermeidbare Behandlungsfehler.

Solange die Einführung stockt, bleibt das Potenzial ungenutzt. Patienten können aber bereits heute aktiv beitragen: Über die App der eigenen Krankenkasse lassen sich Dokumente hochladen und Zugriffsrechte verwalten.

Datenschutz: Was Patienten wissen sollten

Die ePA wird auf Servern der Krankenkassen in Deutschland gespeichert. Zugriff haben nur explizit berechtigte Leistungserbringer – Ärzte, Kliniken oder Apotheken benötigen für jeden Zugriff eine aktive Sitzung am Terminal. Patienten können jederzeit nachsehen, wer auf ihre Akte zugegriffen hat. [2]

Der Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (BfDI) hat das ePA-System geprüft und grundsätzlich freigegeben, aber auf Risiken bei unzureichend geschützten Praxissystemen hingewiesen. Gematik hat daraufhin Sicherheitsupdates ausgerollt.

Wann die ePA ihr Potenzial entfaltet

Experten schätzen, dass die ePA erst dann einen spürbaren Mehrwert schafft, wenn mehr als 80 Prozent der Leistungserbringer aktiv mit ihr arbeiten. Die Bundesregierung hat das Jahr 2026 als entscheidendes Umsetzungsjahr definiert – mit verbindlichen Quoten und Sanktionsmöglichkeiten für nicht angebundene Kliniken. [1]

Für Patienten gilt schon jetzt: In der Krankenkassen-App prüfen, ob die eigene ePA aktiv ist, wichtige Dokumente hochladen und Zugriffsrechte einrichten. Je vollständiger die Akte, desto besser die ärztliche Versorgung.

Ärzte und Kliniken, die ePA-aktiv arbeiten, finden Sie auf bestes.com.


Quellen:
[1] Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG): ePA-Umfrage Q1/2026. https://www.dkgev.de
[2] Gematik: Die elektronische Patientenakte. https://www.gematik.de/anwendungen/e-patientenakte
[3] Bundesministerium für Gesundheit: ePA für alle. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/digitalisierung/elektronische-patientenakte