Am 17. Oktober 2025 wurde das einmilliardste E-Rezept in Deutschland eingelöst – ein Meilenstein, der zeigt, wie grundlegend sich die Arztpraxis in den vergangenen Jahren verändert hat [1]. Was 2021 als regionaler Pilotversuch begann und Anfang 2024 bundesweit zur Pflicht wurde, ist heute Alltag: Täglich werden mehrere Millionen digitale Verordnungen ausgestellt, signiert und eingelöst – in der Apotheke um die Ecke, per App oder direkt beim Online-Versand.

Gematik, die staatliche Organisation hinter der digitalen Gesundheitsinfrastruktur Deutschlands, spricht von einem "historischen Wendepunkt". Die Zahl der täglich eingelösten E-Rezepte wächst weiter. Und das ist erst der Anfang: 2026 kommen neue Rezepttypen dazu, die das System auf die nächste Stufe heben sollen.

Wie das E-Rezept den Praxisalltag verändert hat

Bis Ende 2023 war das Papierrezept in deutschen Arztpraxen Standard – rosa Durchschreibeformulare, die Patienten persönlich abholen und in der Apotheke vorlegen mussten. Mit der verpflichtenden Einführung im Januar 2024 fiel diese Pflicht weg. Seitdem stellt der Arzt die Verordnung digital aus, signiert sie mit einem Heilberufsausweis und übermittelt sie direkt an einen zentralen Server der Gematik [2].

Patienten haben drei Möglichkeiten, das Rezept einzulösen: über die E-Rezept-App der Gematik, über die elektronische Gesundheitskarte direkt in der Apotheke oder über einen Papierausdruck mit QR-Code. Für viele ändert sich damit wenig am Ablauf – aber im Hintergrund entstehen erstmals strukturierte Datensätze über Verschreibungen und Einlösungen, die das System effizienter und sicherer machen.

Seit Januar 2025 fließen alle eingelösten E-Rezepte automatisch in die elektronische Medikationsliste (eML) der elektronischen Patientenakte (ePA) [1]. Ärzte können damit erstmals auf einen Blick sehen, welche Medikamente ein Patient tatsächlich bezieht – und gefährliche Wechselwirkungen früher erkennen.

Was 2026 neu hinzukommt

Das E-Rezept beschränkte sich bisher vor allem auf Arzneimittel. Ab 2026 weitet die Gematik das System schrittweise aus – auf drei neue Verordnungstypen, die bislang noch auf Papier liefen.

Digitale Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA – also verschreibungsfähige Health-Apps wie Tinnitus-Trainer, Physiotherapie-Begleiter oder psychologische Unterstützungs-Apps – können seit Oktober 2025 ebenfalls als E-Rezept verordnet werden [3]. Die App wird dabei nicht mehr per Post zugeschickt, sondern der Freischaltcode direkt über das digitale System an die Krankenkasse übermittelt. Das soll die Verordnungsrate erhöhen: Bisher nutzen weniger als ein Prozent der GKV-Versicherten eine DiGA, obwohl rund 73 Millionen grundsätzlich Anspruch hätten.

Das sogenannte T-Rezept – ein Sonderformular für Arzneimittel mit den Wirkstoffen Lenalidomid, Pomalidomid und Thalidomid, die vor allem in der Krebstherapie eingesetzt werden – wird 2026 ebenfalls digitalisiert [3]. Bisher war das T-Rezept aus regulatorischen Gründen an Papier gebunden, mit Nadeldrucker ausgestellt und manuell ans BfArM weitergeleitet. Die neue digitale Variante entferne "einen der letzten analogen Medienbrüche in der Verordnungskette", so die Gematik.

Ab dem 1. Juli 2026 kommt ein weiterer Schritt: Heilmittel-Verordnungen – also Rezepte für Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder Podologie – müssen dann ebenfalls verpflichtend digital ausgestellt werden [3]. Das betrifft Millionen von Verordnungen jährlich und bindet erstmals auch Heilmittelerbringer vollständig in die Telematikinfrastruktur ein.

Akzeptanz hoch – aber Zuverlässigkeit bleibt Thema

Die Nutzungszahlen belegen eine breite Akzeptanz. Doreen Ehrlich, Product Suite Manager bei AOK Systems, kommentierte den Meilenstein: "Das E-Rezept erfreut sich inzwischen einer sehr hohen Akzeptanz in der Bevölkerung, wie die Nutzungszahlen beweisen, und ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken." [2]

Kritik kommt allerdings von Apothekerverbänden: ABDA-Präsident Thomas Preis bezeichnete die Ausfallhäufigkeit der Telematikinfrastruktur als "inakzeptabel" und forderte eine substanziell verbesserte Ausfallsicherheit. Insbesondere in Stoßzeiten – morgens und freitags – komme es immer wieder zu Verbindungsabbrüchen, die Apotheken zum temporären Rückgriff auf Papierausdrucke zwängen [4].

Gematik hat angekündigt, die Infrastruktur bis Mitte 2026 weiter zu stabilisieren. Mit der schrittweisen Ausweitung auf Heilmittel und T-Rezepte steigt der Druck, die Grundlast des Systems robuster zu gestalten.

Was das für Versicherte bedeutet

Für die meisten Patienten ist das E-Rezept bereits gelebter Alltag. Wer regelmäßig Medikamente verschrieben bekommt, profitiert davon, dass Folgerezepte künftig direkt in die Stammapotheke übermittelt werden können – ohne extra Praxisbesuch. Die ePA zeigt dann automatisch, welche Mittel aktuell bezogen werden.

Für Menschen, die eine DiGA nutzen oder planen, ändert sich der Einlöseprozess: Statt eines Papierscheins wird der Freischaltcode künftig direkt über das E-Rezept-System verwaltet. Welche Apps aktuell auf Rezept verfügbar und von der GKV erstattet werden, listet bestes.com/categories/gesundheits-apps im unabhängigen Vergleich auf.

Wer Physiotherapie oder andere Heilmittel benötigt, muss sich ab Juli 2026 nicht mehr um Papierrezepte kümmern. Die digitale Übermittlung funktioniert dann automatisch – sofern der Therapeut an die Telematikinfrastruktur angeschlossen ist, was laut Gesetz bis dahin verpflichtend ist.

Häufige Fragen

Muss ich jetzt aktiv etwas tun, um das E-Rezept zu nutzen?

Nein. Seit Januar 2024 stellt jede Arztpraxis in Deutschland automatisch E-Rezepte aus. Wer keine App nutzen möchte, kann das Rezept weiterhin als QR-Code-Ausdruck in der Apotheke vorlegen oder direkt mit der Gesundheitskarte einlösen.

Sind meine Rezeptdaten sicher?

E-Rezepte werden verschlüsselt auf Servern der Gematik gespeichert. Zugriff haben nur die behandelnde Praxis, die einlösende Apotheke und – seit Januar 2025 – automatisch die eigene ePA. Krankenkassen haben keinen direkten Einblick in einzelne Verschreibungen, sondern sehen nur Abrechnungsdaten.

Was passiert, wenn das System ausfällt?

Apotheken können in Ausnahmefällen auf den QR-Code-Ausdruck zurückgreifen. Arztpraxen können ein Ersatzverfahren nutzen. Die Gematik arbeitet an einer verbesserten Ausfallsicherheit, die 2026 schrittweise ausgerollt werden soll.

Einen Überblick über digitale Gesundheitsangebote – von zugelassenen DiGA bis zu Telemedizin-Anbietern – bietet bestes.com.

Quellen

[1] gematik GmbH. "Eine Milliarde eingelöste E-Rezepte." gematik.de, 17. Oktober 2025. https://www.gematik.de/newsroom/news-detail/eine-milliarde-eingeloeste-e-rezepte

[2] AOK Systems. "Milliardstes E-Rezept eingelöst." aok-systems.de, Oktober 2025. https://www.aok-systems.de/index.php/news/blog/beitrag/milliardstes-e-rezept-eingeloest.html

[3] Pharmazeutische Zeitung / Deutsche Apotheker Zeitung. "ePA, E-Rezept und mehr: Was kommt 2026?" Januar 2026. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2026/01/06/epa-e-rezept-und-mehr-was-kommt-2026

[4] Monitor Versorgungsforschung. "Milliardstes E-Rezept eingelöst." monitor-versorgungsforschung.de, Oktober 2025. https://www.monitor-versorgungsforschung.de/news/milliardstes-e-rezept-eingeloest/