Digital Health Report 2026: 70 Prozent der Patienten fordern schnelleres Tempo
Sieben von zehn Patientinnen und Patienten in Deutschland sind unzufrieden mit dem Tempo der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Das ist das Kernergebnis des Digital Health Report 2026, den YouGov und der Terminbuchungsdienst Doctolib gemeinsam veröffentlicht haben [1]. Die Studie zeigt: Die Lücke zwischen dem, was Patienten erwarten, und dem, was Praxen und Kliniken tatsächlich anbieten, ist erheblich – und kostet täglich Zeit, Geld und Nerven.
## Was der Report gemessen hat
Für den Digital Health Report 2026 hat YouGov repräsentativ mehrere tausend Erwachsene in Deutschland befragt. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie gut klappt die digitale Kommunikation zwischen Patienten und ihren Ärzten, Therapeuten und Kliniken?
Das Ergebnis ist ernüchternd. Nur 35 Prozent der Befragten geben an, es sei einfach, online einen freien Termin zu finden [1]. Für die übrigen 65 Prozent bedeutet das: Telefon in der Hand, Warteschleife, Praxis häufig nicht erreichbar. Dabei sind digitale Terminbuchungen, Dokumentenübermittlung und digitale Aufnahmeformulare die meistgewünschten Funktionen – Lösungen, die technisch längst existieren, in vielen Praxen aber noch fehlen.
## Was Ärzte und Patienten unterschiedlich sehen
Interessant ist der Blick der Leistungserbringer: 79 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte beurteilen digitale Lösungen als positiv für die Patientenversorgung [1]. Ein Drittel sieht Digitalisierung sogar als notwendige Antwort auf strukturelle Probleme – Fachkräftemangel, steigende Fallzahlen, Bürokratie.
Der Widerspruch liegt nicht in der Einstellung, sondern in der Umsetzung. Viele Praxen wollen digitaler werden, scheitern aber an fehlenden Schnittstellen zwischen Praxisverwaltungssystemen, unklaren Zuständigkeiten und dem Aufwand der Systemumstellung. Das kostet Zeit, die kaum eine Praxis hat.
## ePA, DiGA, Apps: Reformstau trotz Gesetzen
Seit Januar 2025 gilt in Deutschland das Opt-out-Prinzip für die elektronische Patientenakte (ePA): Alle gesetzlich Versicherten erhalten automatisch eine ePA, sofern sie nicht aktiv widersprechen. Seit dem 1. Januar 2026 müssen alle Praxisoftware-Systeme ePA-tauglich sein – sonst können Ärzte bestimmte Leistungen nicht mehr abrechnen [2].
Trotzdem berichten viele Patienten, dass die ePA im Alltag noch keine spürbare Rolle spielt. Arztbriefe werden weiterhin per Fax verschickt, Befunde kommen noch in Papierform an. Dabei wäre genau die ePA das zentrale Instrument, das Patienten laut dem Report am meisten wünschen: eine digitale Schaltzentrale für den eigenen Gesundheitsweg, die komplexe Behandlungspfade erleichtert.
Ähnliches gilt für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), die sogenannten Apps auf Rezept. Seit Januar 2026 müssen Hersteller mindestens 20 Prozent ihrer Vergütung an messbare Behandlungserfolge knüpfen – ein Paradigmenwechsel hin zu Pay-for-Performance [3]. Das erhöht den Druck auf die Branche, schafft aber auch Transparenz für Patienten, die wissen wollen: Wirkt diese App wirklich?
## Warum Deutschland international hinterherhinkt
Im internationalen Vergleich belegt Deutschland beim digitalen Gesundheitssystem weiterhin hintere Plätze. Länder wie Dänemark, Estland oder die Niederlande haben flächendeckende elektronische Patientenakten, digitale Überweisungspfade und automatisierte Erinnerungssysteme seit mehr als einem Jahrzehnt im Einsatz. In Deutschland kämpfen Praxen noch mit inkompatiblen Softwarelandschaften, die untereinander nicht sprechen können [4].
Das Bundesgesundheitsministerium hat eine Digitalstrategie vorgelegt, die bis 2030 die vollständige Vernetzung aller Akteure anstrebt [2]. Doch zwischen Strategie und Praxis liegt in Deutschland traditionell eine breite Lücke – das zeigt der Digital Health Report 2026 mit aller Deutlichkeit.
## Was konkret fehlt – und was sich ändern müsste
Der Digital Health Report 2026 benennt vier Hauptbarrieren, die eine schnellere Digitalisierung verhindern [1]: bürokratische Prozesse, fehlende Schnittstellen zwischen Systemen, unklare Zuständigkeiten und inkompatible Softwarelandschaften. Diese Faktoren sind nicht neu – sie wurden bereits in Vorgängerberichten beschrieben. Neu ist, dass die Patientenunzufriedenheit messbar zugenommen hat.
Was Patienten konkret wollen: digitale Terminbuchung, die Möglichkeit, Dokumente wie Überweisungen oder Befunde elektronisch zu übermitteln, und digitale Aufnahmeformulare, die Zeit in der Praxis sparen. Alles davon ist technisch realisierbar. Die Hürde liegt nicht in der Technologie, sondern in der Einführung. Viele Praxen scheuen den Aufwand der Systemumstellung, solange keine klaren wirtschaftlichen Anreize oder Verbindlichkeiten bestehen.
Ein weiterer Punkt betrifft die Gesundheitskompetenz: Nur eine Minderheit der Bevölkerung weiß, was die ePA kann oder wie sie eine DiGA-App verordnet bekommt. Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet an Informationskampagnen, aber deren Reichweite ist begrenzt. Für eine wirklich breite Nutzung braucht es aktives Onboarding in der Praxis – durch Ärztinnen und Ärzte, nicht durch Broschüren.
## Was Bestes.com-Nutzer tun können
Für Patientinnen und Patienten, die nicht auf strukturelle Verbesserungen warten wollen, gibt es bereits heute viele digitale Optionen. Telemedizin-Plattformen wie Doctolib (bestes.com/services/doctolib) oder Teladoc (bestes.com/services/teladoc) bieten digitale Terminbuchung und Video-Konsultationen – ohne Warteschleife am Telefon. Wer eine DiGA-App sucht, findet auf bestes.com/services eine unabhängige Übersicht aller zugelassenen Anwendungen, sortiert nach Indikation, Funktionsumfang und Kosten. Das spart Zeit und Recherche.
## Häufige Fragen
**Was ist der Digital Health Report 2026?**
Eine repräsentative Befragung von YouGov im Auftrag von Doctolib zur Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen aus Patienten- und Ärzteperspektive. Kernergebnis: 70 Prozent der Patienten wünschen sich mehr Tempo.
**Was ist die ePA und warum ist sie noch nicht vollständig im Alltag angekommen?**
Die elektronische Patientenakte (ePA) ist eine digitale Akte, in der alle Gesundheitsdaten gesammelt werden können. Obwohl seit Januar 2025 jeder Versicherte automatisch eine erhält, fehlen in vielen Praxen noch die technischen Voraussetzungen für einen reibungslosen Datenaustausch.
**Wo finde ich geprüfte digitale Gesundheitsangebote?**
Auf bestes.com sind mehr als 1.300 digitale Gesundheitsanwendungen unabhängig aufgelistet und vergleichbar – von DiGA-Apps bis zu Telemedizin-Diensten.
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**Quellen:**
[1] YouGov / Doctolib: Digital Health Report 2026. https://www.arzt-wirtschaft.de/digital-health/digital-health-report-2026
[2] Bundesgesundheitsministerium: Digitalstrategie für das Gesundheitswesen. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/en/topics/digitalisation/digitalisation-strategy
[3] BMG: Änderungen im Gesundheitsbereich 2026 (DiGA Pay-for-Performance ab 01.01.2026). https://www.bundesgesundheitsministerium.de/en/news-preview-detail/changes-in-the-areas-of-health-and-long-term-care-in-2026.html
[4] ICLG: Digital Health Laws and Regulations Germany 2025–2026. https://iclg.com/practice-areas/digital-health-laws-and-regulations/germany
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