DKFZ

Darmkrebs-Vorsorge: Stuhltest so wirksam wie Darmspiegelung

March 30, 2026

Eine große Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) kommt im Februar 2026 zu einem überraschenden Schluss: Stuhltest und Darmspiegelung sind als Methoden zur Darmkrebs-Früherkennung ähnlich wirksam – wenn sie konsequent in Anspruch genommen werden. [1] Die Botschaft der Forscher ist klar: "Hauptsache, man tut es." Der weitaus größere Feind der Darmkrebs-Früherkennung ist nicht die Wahl zwischen Stuhltest und Spiegelung – sondern die Tatsache, dass über die Hälfte der Anspruchsberechtigten die Vorsorge überhaupt nicht in Anspruch nimmt. [1] ## Was die DKFZ-Studie zeigt Das DKFZ analysierte Daten aus mehreren europäischen Langzeitstudien mit insgesamt über 60.000 Teilnehmenden. Das zentrale Ergebnis: Der Rückgang der Darmkrebserkrankungen war nach Stuhltest-Programmen sogar stärker ausgeprägt als nach Koloskopie-Screenings – allerdings einzig wegen der deutlich höheren Teilnahmerate beim Stuhltest. [1] Die Darmspiegelung findet dagegen mehr Karzinome im Frühstadium und erlaubt gleichzeitig das Abtragen von Polypen. Wenn beide Methoden vollständig genutzt werden, lassen sich bis zu drei Viertel aller Darmkrebserkrankungen verhindern – die Sterblichkeit kann sogar um mehr als 80 Prozent sinken. [1] ## G-BA-Neuregelung seit April 2025: Frauen profitieren früher Seit dem 1. April 2025 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) das Darmkrebs-Früherkennungsprogramm grundlegend reformiert. Die wichtigste Änderung: Frauen haben nun ab dem 50. Lebensjahr Anspruch auf die Vorsorge-Koloskopie – zuvor galt die Altersgrenze für Frauen bei 55. [2] Damit gilt für beide Geschlechter dasselbe Angebot: - Ab 50 Jahren: Alle zwei Jahre immunologischer Stuhltest (iFOBT, kostenlos über die Krankenkasse) - Ab 50 Jahren: Bis zu zwei Vorsorge-Koloskopien im Abstand von zehn Jahren - Bei positivem Stuhltest: Immer Anspruch auf Darmspiegelung zur Abklärung Die Einladung kommt automatisch von der Krankenkasse – mit dem 50. Geburtstag und danach mit 55, 60 und 65 Jahren. [2] ## Stuhltest oder Darmspiegelung – was ist die bessere Wahl? **Immunologischer Stuhltest (iFOBT):** Zu Hause durchführbar, keine Darmvorbereitung, keine Ausfallzeit. Sensitivität für Karzinome: rund 79 Prozent. Alle zwei Jahre wiederholen. Bei positivem Ergebnis immer Koloskopie nötig. **Vorsorge-Koloskopie:** Direkte Visualisierung der gesamten Darmschleimhaut, Polypen können sofort abgetragen werden. Sensitivität für Karzinome: über 95 Prozent. Nur alle zehn Jahre nötig. Vorbereitung erforderlich. Wer Angst vor der Spiegelung hat: Jede Vorsorge ist besser als keine. Die Entscheidung trifft der Betroffene gemeinsam mit dem Hausarzt. ## Wer hat ein erhöhtes Risiko? Für Menschen mit erhöhtem familiären Risiko gelten frühere Vorsorge-Empfehlungen: - Ein Verwandter ersten Grades mit Darmkrebs unter 60: Koloskopie ab dem Alter des Erkrankten minus 10 Jahre, spätestens mit 40 Jahren. [3] - Hereditäres kolorektales Karzinom (HNPCC/Lynch-Syndrom): Koloskopie ab dem 25. Lebensjahr, jährlich. - Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP): Rektoskopie ab Pubertät, jährlich. ## IQWiG-Modellierung: Wie früh sollte Screening beginnen? Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) veröffentlichte 2025 eine Modellierung, die verschiedene Alters- und Frequenzvarianten des Darmkrebs-Screenings vergleicht. Die Modellierung liefert Argumente für ein Absenken der Altersgrenze auf 45 – ein Schritt, den der G-BA derzeit noch prüft. [4] Hintergrund: In den USA empfiehlt die American Cancer Society seit 2018, das Screening bereits mit 45 zu beginnen. In Deutschland liegt die jährliche Neuerkrankungsrate bei rund 60.000 Fällen – Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebstodesursache. ## Was bei der Darmspiegelung auf mich zukommt Die Vorbereitung ist das Unangenehmste: Am Vortag wird der Darm mit einem Abführmittel vollständig entleert. Der eigentliche Eingriff dauert im Durchschnitt nur 20 bis 30 Minuten und wird in der Regel unter leichter Sedierung durchgeführt – die meisten Patienten schlafen dabei. Am Untersuchungstag ist man aufgrund der Sedierung fahruntüchtig. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt alle Kosten vollständig. 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