Darmkrebs, international als kolorektales Karzinom bezeichnet, zeigt eine besorgniserregende Entwicklung: Die Erkrankungsrate bei Menschen unter 50 Jahren steigt weltweit und auch in Deutschland. Diese sogenannte Early-Onset-Kolorektalkarzinomentwicklung stellt Onkologen und Präventionsmediziner vor neue Fragen.

Was die Daten zeigen

Aktuelle Auswertungen aus dem Deutschen Krebsregister zeigen einen Anstieg der Inzidenz bei unter 50-Jährigen um etwa 20 Prozent seit dem Jahr 2000. Bei den über 70-Jährigen ist die Rate dagegen rückläufig – ein Effekt, der auf verbesserte Früherkennung und den Ausbau der Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung zurückzuführen ist. Dieser Fortschritt bei den Älteren verdeckt die wachsende Last bei den Jüngeren.

International sind die Zahlen noch eindeutiger: In den USA, Australien und Teilen Europas hat sich die Inzidenz bei unter 50-Jährigen innerhalb von 20 Jahren annähernd verdoppelt. Betroffen sind insbesondere Personen zwischen 30 und 45 Jahren.

Mögliche Ursachen

Eine klare Einzelursache ist nicht identifiziert, aber Experten diskutieren mehrere Faktoren: Veränderungen in der Ernährung – insbesondere die höhere Aufnahme von Ultra-Processed-Foods (UPF), rotem Fleisch und zuckergesüßten Getränken – gelten als bedeutsam. Auch Veränderungen im Mikrobiom, Adipositas und reduzierte körperliche Aktivität werden diskutiert. Für alle diese Faktoren gibt es epidemiologische Hinweise, aber keine final gesicherte Kausalität.

Dazu kommt, dass jüngere Menschen seltener an regulären Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Die Darmspiegelung ist in Deutschland erst ab 50 Jahren kostenlos. Viele Jüngere werden daher erst diagnostiziert, wenn Symptome auftreten – und die liegen oft in einem bereits fortgeschrittenen Stadium.

Was das für die Früherkennung bedeutet

Fachgesellschaften diskutieren, ob das Einstiegsalter für die Darmkrebsvorsorge auf 45 Jahre abgesenkt werden sollte. In den USA hat die American Cancer Society diese Empfehlung bereits 2018 eingeführt. Deutschland befindet sich in dieser Diskussion. Für Personen mit familiärer Belastung empfehlen Leitlinien bereits jetzt frühere Kontrollen.

Quellen

journalonko.de