Darmkrebs-Screening ab 45 statt 50? IQWiG-Analyse liegt vor
IQWiG-Vorbericht 2026: Stuhltest ab 45 statt 50 wäre vorteilhaft. G-BA-Entscheidung steht aus. Was Betroffene jetzt wissen sollten.
Sollte der Darmkrebs-Stuhltest bereits ab 45 statt ab 50 Jahren empfohlen werden? Das ist die zentrale Frage, die das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des G-BA untersucht hat. Das Ergebnis des Vorberichts, der bis zum 2. Februar 2026 öffentlich kommentiert werden konnte: Für den immunologischen Stuhltest (iFOBT) wäre eine Absenkung der Altersgrenze auf 45 Jahre rechnerisch vorteilhaft – wenn Menschen konsequent alle zwei Jahre testen.
Wie das aktuelle Screening-Programm funktioniert
In Deutschland haben gesetzlich Versicherte ab 50 Jahren Anspruch auf kostenlose Darmkrebs-Früherkennung. Zwei Optionen stehen zur Wahl: der immunologische Stuhltest (iFOBT), den man zu Hause macht und einschickt, oder die Darmspiegelung (Koloskopie) beim Facharzt. Beide sind vollständig von der Krankenkasse übernommen. Frauen werden ab 50 zur Koloskopie eingeladen, Männer ab 50 ebenfalls (bis 2019 erst ab 55). Der iFOBT ist ab 50 alle zwei Jahre möglich.
Das Problem: Darmkrebs betrifft zunehmend auch jüngere Menschen. In mehreren Ländern, darunter den USA, wurde die Empfehlungsgrenze bereits auf 45 Jahre abgesenkt. Die Frage ist, ob Deutschland mit seinen knapp 60.000 Neuerkrankungen pro Jahr nachziehen sollte.
Was die IQWiG-Modellierung zeigt
Das IQWiG hat keine klinische Studie durchgeführt, sondern eine statistische Modellierung: Wie viele Krebsfälle könnten verhindert werden, wenn man früher screent?
Das Ergebnis: Bei konsequenter zweijährlicher Nutzung des iFOBT ab 45 statt 50 Jahren würden rechnerisch mehr Krebsvorstufen und Frühstadien entdeckt. Der Nutzen überwiegt die Nachteile (unnötige Folgekoloskopien nach falsch-positivem Test). Für die Koloskopie allein fehlt hingegen der direkte Nutzenbeleg aus klinischen Studien für die Gruppe unter 50 Jahren.
Wichtig: Ein Vorbericht ist noch keine Leitlinie. Jetzt wertet der G-BA die Ergebnisse und Stellungnahmen aus. Eine offizielle Änderung der Screening-Empfehlungen dauert in der Regel noch ein bis zwei Jahre.
Warum frühere Diagnose so wichtig ist
Darmkrebs ist in frühen Stadien in mehr als 90 Prozent der Fälle heilbar. Im Spätstadium sinkt die Fünfjahresüberlebensrate auf unter 15 Prozent. Der Schlüssel ist also die Früherkennung – am besten, bevor Symptome auftreten.
Symptome, die auf Darmkrebs hinweisen können: Blut im Stuhl, veränderte Stuhlgewohnheiten über mehrere Wochen, unerklärlicher Gewichtsverlust, anhaltende Bauchschmerzen. Wer diese bemerkt, sollte nicht abwarten, sondern sofort zum Arzt.
Erhöhtes Risiko haben Menschen mit Darmkrebs-Fällen in der direkten Familie (Eltern, Geschwister, Kinder). Sie sollten unabhängig vom allgemeinen Screening bereits ab zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des Angehörigen zur Koloskopie.
Darmkrebs: Risikofaktoren, die jeder kennen sollte
Darmkrebs ist nicht nur ein Schicksal. Ernährung und Lebensstil beeinflussen das Risiko erheblich – und in beide Richtungen.
Faktoren, die das Risiko erhöhen: Hoher Konsum von rotem Fleisch (mehr als 500g pro Woche) und verarbeiteten Fleischwaren wie Wurst, Schinken oder Hot Dogs. Die WHO klassifiziert verarbeitetes Fleisch als Group-1-Karzinogen – also als nachweislich krebsauslösend. Übergewicht, wenig Bewegung, Alkohol und Rauchen erhöhen das Risiko zusätzlich. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn erhöhen das Langzeitrisiko ebenfalls deutlich.
Faktoren, die das Risiko senken: Ballaststoffreiche Ernährung – Vollkorn, Gemüse, Hülsenfrüchte – schützt nachweislich. Menschen, die täglich 25 bis 30 Gramm Ballaststoffe zu sich nehmen, haben ein bis zu 20 Prozent niedrigeres Darmkrebsrisiko als Menschen mit ballaststoffarmer Kost. Regelmäßige körperliche Aktivität (mindestens 150 Minuten moderater Sport pro Woche) senkt das Risiko ebenfalls.
Acetylsalicylsäure (Aspirin) zeigt in mehreren Studien einen protektiven Effekt bei regelmäßiger Einnahme. Die Leitlinien empfehlen es wegen der Magenblutungsrisiken jedoch nicht zur allgemeinen Prävention – wohl aber bei bestimmten Hochrisikogruppen wie familiärer adenomatöser Polyposis.
Wichtig ist zu verstehen: Kein Einzelfaktor allein bestimmt das Krebsrisiko. Wer raucht, selten Gemüse isst und kaum Sport treibt, aber regelmäßig zur Koloskopie geht, ist in einer besseren Position als jemand, der gesund lebt, aber nie zur Früherkennung geht. Screening und Lebensstil ergänzen sich – sie ersetzen einander nicht. Das Zusammenspiel beider Strategien gibt die höchste Chance, Darmkrebs rechtzeitig zu erkennen oder ganz zu verhindern.
Die Koloskopie bleibt trotz allen Diskussionen über die Altersgrenze das wirksamste Einzelinstrument: Sie erkennt und entfernt Polypen in einem einzigen Eingriff – bevor aus einer Vorstufe ein Karzinom wird. Wer heute noch keinen Vorsorgedarm-Termin gemacht hat und über 45 ist, sollte diesen Schritt nicht länger hinauszögern. Ein Anruf beim Hausarzt genügt, um eine Überweisung zum Gastroenterologen zu erhalten – und die Darmspiegelung ist vollständig kostenfrei von der Krankenkasse übernommen.
Häufige Fragen
Gilt die 45-Jahres-Empfehlung schon jetzt?
Noch nicht. Es ist ein Vorbericht, der öffentlich kommentiert wurde. Die endgültige G-BA-Entscheidung kann noch Monate bis Jahre dauern.
Kann ich den Test auch unter 50 machen lassen?
Wenn Sie ein erhöhtes familiäres Risiko haben: ja, auf ärztliche Empfehlung und häufig mit Kassenerstattung. Ohne Risikofaktoren: derzeit noch auf eigene Kosten unter 50.
Ist der Stuhltest unangenehm?
Nein. Sie nehmen zu Hause eine kleine Stuhlprobe und schicken sie ein. Keine Vorbereitung, keine Ausfallzeit.
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