Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hat Ende Februar 2026 eine aktualisierte S2k-Leitlinie zur fachärztlichen Diagnostik und Therapie der COPD veröffentlicht [1]. Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung gehört zu den häufigsten Todesursachen weltweit – in Deutschland sind schätzungsweise sechs bis acht Millionen Menschen betroffen, viele davon noch undiagnostiziert. Die neue Leitlinie setzt andere Prioritäten als bisher: Sie rückt gezielte Biomarker-Diagnostik und ein bislang vernachlässigtes Screening in den Vordergrund.

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: Einmalig screenen reicht

Neu und besonders relevant ist die Empfehlung zum Screening auf Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AAT-Mangel) [1]. AAT-Mangel gilt als eine der häufigsten genetisch bedingten Erkrankungen überhaupt – und ist gleichzeitig eine der häufigsten unerkannten Ursachen für COPD, besonders bei Patientinnen und Patienten, die früh erkranken oder nie geraucht haben. Die Leitlinie empfiehlt nun ein einmaliges Screening für alle COPD-Patienten – ein einfacher Bluttest genügt. Wer einen AAT-Mangel hat, kann unter Umständen eine spezifische Substitutionstherapie erhalten, die den Krankheitsverlauf verlangsamt.

Zusätzlich empfiehlt die Leitlinie die routinemäßige Bestimmung des Differenzialblutbildes als Biomarker. Die Blut-Eosinophilenzahl hilft dabei, Patientengruppen zu identifizieren, die besonders von inhalativen Kortikosteroiden profitieren – und solche, bei denen diese Therapie kaum wirkt oder sogar schadet [1].

CT-Thorax: Jetzt auch bei COPD-Verdacht empfohlen

Bisher war die Spirometrie das Standardwerkzeug für die COPD-Diagnose. Die neue Leitlinie erweitert die Diagnostik: Wenn Symptome und Spirometrie-Ergebnis nicht zusammenpassen – etwa bei ausgeprägten Beschwerden trotz normaler oder grenzwertiger Lungenfunktion –, empfiehlt die DGP nun den Einsatz einer CT-Thorax-Untersuchung [1]. Damit können strukturelle Veränderungen wie Emphysem oder Bronchiektasen frühzeitig erkannt werden, bevor die Spirometrie auffällig wird. Auch Lungenkrebs-Screening kann in diesem Kontext integriert werden.

Zero Tolerance für Exazerbationen

Ein Paradigmenwechsel in der Therapie: Die Leitlinie übernimmt das Prinzip „Zero Tolerance for Exacerbations“ – jede Verschlechterungsphase soll konsequent vermieden werden, da Exazerbationen den Lungenfunktionsverlauf beschleunigen und das Sterberisiko erhöhen [1]. Das bedeutet: konsequente Rauchstoppprogramme, aktualisierte Impfempfehlungen (Influenza, Pneumokokken, COVID-19, RSV), pneumologische Rehabilitation und – wo indiziert – Atemmuskeltraining.

Für die medikamentöse Therapie wird eine bessere Phänotypisierung der Patienten gefordert: nicht mehr eine Therapie für alle, sondern individuelle Anpassung je nach Entzündungsmuster, Symptomstärke und Exazerbationsrisiko.

Was das für COPD-Patienten bedeutet

Wer an COPD leidet oder Risikofaktoren trägt (Rauchen, berufliche Belastung, frühe Lungenerkrankungen in der Kindheit), sollte mit der Lungenfacharztpraxis besprechen, ob ein AAT-Screening sinnvoll ist und ob die CT-Diagnostik neue Erkenntnisse bringen kann. Digitale Unterstützung – etwa durch Atemtrainer-Apps, Lungenfunktions-Monitoring oder Reha-Programme – kann die tägliche Selbststeuerung erleichtern. Auf bestes.com finden COPD-Patienten einen Überblick über Kaia COPD und weitere digitale Gesundheitsangebote.

Häufige Fragen zur COPD-Leitlinie 2026

Wer sollte auf Alpha-1-Antitrypsin-Mangel getestet werden?
Laut der neuen DGP-Leitlinie sollten alle COPD-Patienten einmalig auf AAT-Mangel gescreent werden – unabhängig vom Alter oder Rauchstatus. Besonders wichtig ist das Screening bei früher Erkrankung oder fehlenden klassischen Risikofaktoren.

Was ändert sich bei der COPD-Diagnose?
Die Leitlinie empfiehlt, bei Diskrepanz zwischen Beschwerden und Spirometrie künftig auch eine CT-Thorax-Untersuchung einzusetzen. Damit können strukturelle Lungenschäden erkannt werden, die die Spirometrie noch nicht erfasst.