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Chronische Niereninsuffizienz 2026: Neue S3-Leitlinie macht SGLT2-Hemmer zum Standard – auch ohne Diabetes

March 30, 2026

Ende November 2024 haben DEGAM und DGfN eine grundlegend aktualisierte S3-Leitlinie zur hausarztlichen Versorgung von CKD-Patienten veröffentlicht. Die wichtigste Neuerung: SGLT2-Hemmer werden nun auch für CKD-Patienten ohne Diabetes empfohlen – sofern eine relevante Albuminurie vorliegt. Für rund 5 Millionen Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz in Deutschland bedeutet das den Zugang zu einer Therapieklasse, die den Nierenfunktionsverlust nachweislich verlangsamt [1].

Was ist chronische Niereninsuffizienz – und warum wird sie so oft übersehen?

CKD (Chronic Kidney Disease) betrifft ca. 5 Millionen Menschen in Deutschland – die meisten ohne Diagnose. Weltweit erkranken jährlich rund 1,7 Millionen an terminalem Nierenversagen. Das Tückische: CKD verursacht in frühen Stadien keine Beschwerden. Erst spät zeigen sich Müdigkeit, Ödeme oder Schaumharn.

Stadien, Diagnose und Risikoabschätzung

Klassifikation nach KDIGO: G1 (GFR ≥90): Nierenschaden ohne Funktionsverlust | G2 (60–89): Leichte Einschränkung | G3a/b (30–59): Moderat bis schwer | G4 (15–29): Nierenersatztherapie planen | G5 (<15): Nierenversagen. Häufigste Ursachen: Diabetes mellitus (40%) und arterielle Hypertonie (30%). Screening: Kreatinin/eGFR + Urin-Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR) beim Hausarzt. Die neue DEGAM/DGfN-Leitlinie stellt den deutschsprachigen KFRE-Rechner bereit für die individuelle Risikoschätzung [1].

SGLT2-Hemmer: Der Gamechanger in der CKD-Therapie

SGLT2-Inhibitoren schützen die Niere unabhängig vom Blutzucker: CREDENCE-Studie (Canagliflozin, CKD+Diabetes), DAPA-CKD (Dapagliflozin, auch ohne Diabetes), EMPA-KIDNEY 2023 (Empagliflozin, bis eGFR 20 ml/min) – alle zeigen 30–40% Risikoreduktion für terminales Nierenversagen, kardiovaskulären Tod und Hospitalisierung vs. Placebo [2]. Die DEGAM/DGfN-Leitlinie (Nov. 2024) empfiehlt bei UACR ≥300 mg/g: Dapagliflozin oder Empagliflozin unabhängig von Diabetes. „Mit SGLT2-Hemmern können wir den natürlichen Verlauf der CKD wirklich verändern“, erklärt Prof. Carsten Böger, DGfN-Vorstand [1].

Weitere Therapiebausti: RAS-Blockade, Blutdruck, Finerenon

ACE-Hemmer oder Sartane sind Standard bei CKD mit Proteinurie (intraglomerulärer Drucksenkung). Kombination beider Klassen kontraindiziert. Blutdruckziel: <120–130 mmHg syst. (SPRINT-CKD). Finerenon (Kerendia) seit 2022 für CKD+Typ-2-Diabetes zugelassen. Die FIND-CKD-2-Studie (Finerenon ohne Diabetes) läuft – Ergebnisse 2026 erwartet [3]. GLP-1-Agonisten zeigen nephroprotektive Effekte bei Diabetes+CKD, additiv zu SGLT2.

Ernährung, Lebensstil und Monitoring

Proteinreduzierte Diät (0,6–0,8 g/kg/Tag) in Stadien G4–G5. Ausdauersport 150 Min/Woche verbessert kardiovaskuläre Endpunkte. Rauchen beschleunigt CKD-Progression deutlich. NSAR und Kontrastmittel nur nach strenger Indikation. Regelmäßiges Monitoring: Kreatinin/eGFR, UACR, Elektrolyte, Blutbild, Parathormon ab G3b. Nephrologen-Überweisung spätestens ab eGFR <30 ml/min.

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Quellen: [1] DGfN: CKD-Leitlinie Aktualisierung Nov. 2024: https://www.dgfn.eu/pressemeldung/pm-ckd-in-der-hausaerztlichen-versorgung-aktualisierung-der-leitlinie.html | [2] DGfN: SGLT2-Hemmer verlangsamen CKD: https://www.dgfn.eu/pressemeldung/sglt2-hemmer-verlangsamen-das-fortschreiten-der-chronischen-nierenkrankheit.html | [3] Gelbe Liste CKD Frühdiagnostik + SGLT2: https://www.gelbe-liste.de/nephrologie/chronische-nierenkrankheit-frueherkennung-nierenscreening-sglt2 | DEGAM S3-Leitlinie CKD Nov. 2024 | KDIGO Guidelines 2024

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