Check-up 35: Was die GKV-Vorsorgeuntersuchung 2026 leistet
Millionen Deutschen steht eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung zu – doch viele kennen ihren Anspruch nicht genau oder verschieben den Termin auf unbestimmte Zeit. Der sogenannte Check-up 35 ist eine GKV-Pflichtleistung, die regelmäßig erweitert wird. 2025 und 2026 wurden mehrere Neuerungen eingeführt, die die Untersuchung deutlich umfangreicher machen – und für manche Altersgruppen zum ersten Mal zugänglich.
## Was ist der Check-up 35?
Der Gesundheits-Check-up ist eine Früherkennungsuntersuchung, die von allen gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird. Er dient der frühzeitigen Erkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren- und Stoffwechselkrankheiten sowie Diabetes. Durchgeführt wird er beim Hausarzt oder Internisten.
Die Namensgebung "Check-up 35" ist historisch bedingt: Früher galt er erst ab 35 Jahren. Seit einer Reform durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) haben gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren Anspruch – allerdings mit Unterschieden [1]:
- **18 bis 34 Jahre:** einmalig (mit Laborwerten nur bei Vorliegen von Risikofaktoren)
- **Ab 35 Jahren:** alle drei Jahre, mit vollständigem Labor
## Was die Untersuchung umfasst
Ein Standardtermin enthält:
**Anamnese und körperliche Untersuchung:** Arztgespräch über Vorerkrankungen, Medikamente, Lebensgewohnheiten; Messung von Blutdruck, Herzfrequenz, Körpergewicht und BMI; Inspektion von Haut, Herz- und Lungenauskultation.
**Labordiagnostik (ab 35 Jahren):** Nüchternblutzucker (Diabetes-Screening), Gesamtcholesterin und falls indiziert LDL/HDL, Kreatinin (Nierenfunktion), Urinuntersuchung auf Eiweiß, Glukose und Nitrit (Harnwegsinfekt, Nierenerkrankungen).
**Hepatitis-Screening (einmalig):** Ab 35 Jahren haben Versicherte einmalig Anspruch auf einen Test auf Hepatitis B und Hepatitis C. Beide Infektionen verlaufen oft jahrzehntelang symptomlos und können zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen – frühzeitig erkannt, sind sie heute gut behandelbar [1].
## Neu ab 2025/2026: Hautkrebsscreening und mehr
Zum 1. Januar 2026 wurde das Hautkrebsscreening erweitert: Gesetzlich Versicherte können es nun ab 30 Jahren alle zwei Jahre in Anspruch nehmen – bisher galt die Altersgrenze von 35 Jahren [2]. Das Screening umfasst die visuelle Ganzkörperuntersuchung durch einen Dermatologen oder zertifizierten Hausarzt auf Anzeichen von schwarzem Hautkrebs (Melanom) und hellem Hautkrebs (Basalzell- und Plattenepithelkarzinom).
Wichtig: Das Hautkrebsscreening ist eine separate Leistung – es gehört nicht automatisch zum Check-up-Termin und muss gesondert vereinbart werden.
Weitere Neuerungen 2026 betreffen erweiterte Laborwerte: Die Kassen bieten zunehmend optionale Zusatzleistungen an, etwa das HbA1c-Screening auf Langzeitzucker oder Schilddrüsenwerte (TSH). Diese sind häufig als Satzungsleistung der jeweiligen Krankenkasse buchbar – ein Blick in den Leistungskatalog der eigenen Kasse lohnt sich [2].
## Warum die meisten den Check-up verschieben – und warum das ein Fehler ist
Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) nimmt nur rund die Hälfte der Anspruchsberechtigten den Check-up tatsächlich wahr. Die häufigsten Gründe: Keine Zeit, keine akuten Beschwerden, oder schlicht Unwissen über den Anspruch.
Dabei ist genau das der Sinn der Untersuchung: Erkrankungen zu finden, bevor Symptome auftreten. Bluthochdruck "fühlt" man meist nicht – er schädigt aber Herz, Nieren und Gehirn über Jahre. Typ-2-Diabetes entwickelt sich schleichend. Erhöhtes Cholesterin ist symptomlos bis zum ersten Herzinfarkt.
Laut einer Modellrechnung des RKI könnten durch konsequente Vorsorge bis zu 20 Prozent aller Herzinfarkte verhindert werden – ein erheblicher Teil davon durch frühzeitig entdeckte und behandelte Risikofaktoren [3].
## Schritt für Schritt: So läuft der Termin ab
Wer einen Check-up-Termin vereinbaren möchte, sollte:
1. Mindestens 8 Stunden vor dem Termin nüchtern bleiben (für valide Blutzucker- und Cholesterinwerte)
2. Aktuelle Medikamentenliste mitbringen
3. Vorherige Befunde mitbringen, falls vorhanden
4. Eine Liste persönlicher Risikofaktoren und Familienanamnese vorbereiten (Eltern mit Herzinfarkt, Diabetes, Krebs)
Der Termin dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten; bei umfangreicherem Gespräch auch länger. Die Laborergebnisse folgen meist einige Tage später in einem Folgegespräch.
## Digitale Ergänzungen
Immer mehr Kassen bieten ergänzend digitale Gesundheitschecks an – entweder als Online-Fragebogen zur Vorbereitung des Arztgesprächs oder als KI-gestützte Risikoanalyse. Diese ersetzen die ärztliche Untersuchung nicht, können aber dabei helfen, eigene Risikofaktoren besser einzuordnen. Gesundheits-Apps, die Blutdruck, Gewicht oder Aktivität tracken, liefern dem Arzt beim Check-up-Gespräch wertvolle Verlaufsdaten.
Auf [bestes.com](https://bestes.com) finden Sie geprüfte Apps für Blutdruckmessung, Diabetes-Management und allgemeine Gesundheitsvorsorge.
## Fazit
Der Check-up 35 ist eine der effektivsten Präventionsmaßnahmen im deutschen Gesundheitssystem – kostenlos, niedrigschwellig und nachweislich wirksam. Wer seinen Anspruch kennt und regelmäßig nutzt, investiert in Jahre guter Gesundheit. Die Erweiterungen 2026 – besonders beim Hautkrebsscreening – machen die Untersuchung noch wertvoller.
**Quellen:**
[1] Bundesgesundheitsministerium (BMG): Gesundheits-Check-up, Stand 2025/2026
[2] Rathausnachrichten.de: 8 Vorsorgeuntersuchungen 2026
[3] Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Früherkennungsuntersuchungen
## Häufige Fragen zum Check-up
**Muss ich nüchtern zum Check-up?** Ja, für valide Blutzucker- und Cholesterin-Werte sollte man mindestens 8 Stunden vorher nichts gegessen oder getrunken haben – außer Wasser und ungesüßtem Tee. Medikamente sollten wie gewohnt eingenommen werden; sprechen Sie das im Zweifelsfall vorher mit Ihrer Praxis ab.
**Gilt der Check-up auch für Privatversicherte?** Privatversicherte haben je nach Tarif ähnliche Vorsorge-Ansprüche, die jedoch individuell im Versicherungsvertrag geregelt sind. Sprechen Sie mit Ihrer PKV oder sehen Sie in Ihre Tarifbedingungen.
**Wie terminiere ich den Termin?** Einfach in der Hausarztpraxis oder bei einem internistischen Facharzt anrufen und explizit nach dem "Gesundheits-Check-up" fragen – damit die Praxis ausreichend Zeit einplant und die Abrechnung korrekt erfolgt.
**Ist der Check-up auch in der Schwangerschaft sinnvoll?** Schwangere haben spezifische Mutterschafts-Vorsorgeuntersuchungen, die den allgemeinen Check-up in dieser Phase ergänzen. Der reguläre Check-up kann nach der Geburt nachgeholt werden. Sprechen Sie das mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Frauenarzt ab.
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