Check-up 35: Was die Vorsorgeuntersuchung leistet und was nicht
Ab dem 35. Lebensjahr haben Kassenpatienten in Deutschland Anspruch auf einen kostenlosen Gesundheits-Check beim Hausarzt – alle drei Jahre. Der sogenannte Check-up 35 wurde 2019 reformiert und umfasst heute deutlich mehr als früher. Was genau geprüft wird, welche Grenzen das Programm hat und warum trotzdem viele die Untersuchung auslassen.
Was beim Check-up 35 untersucht wird
Der Check-up umfasst seit der Reform 2019 folgende Elemente [1]:
Anamnese: Erfassung von Vorerkrankungen, Familiengeschichte, Medikamenten und Risikofaktoren (Rauchen, Alkohol, Bewegung, Ernährung).
Körperliche Untersuchung: Blutdruck, Puls, Gewicht, BMI, Hautinspektion auf auffällige Veränderungen.
Blutuntersuchung: Gesamtcholesterin (neu seit 2019: auch HDL und LDL), Blutzucker und seit 2022 auch der HbA1c-Wert als verbesserter Diabetes-Frühindikator.
Urinuntersuchung: Auf Eiweiß, Blut, Zucker und Keime.
Zusätzlich: Bei Erstuntersuchung unter 35 einmalig ein Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Screening.
Was nicht Teil des Check-up ist
Der Check-up ist kein Rundum-Sorglos-Paket. Nicht enthalten sind:
Schilddrüsentest, EKG, Lungenfunktionstests, Darmkrebsvorsorge (eigenes Programm ab 50), Hautkrebsscreening (eigenes Programm ab 35, alle zwei Jahre), Knochendichtemessung, Augeninnendruckmessung oder spezifische Krebsmarker.
Diese müssen – falls indiziert – separat verordnet oder als IGeL-Leistung (individuelle Gesundheitsleistungen) zuzahlt werden.
Was die Reformdaten zeigen
Seit der Reform 2019 ist die Inanspruchnahme gestiegen: Laut Barmer Gesundheitsreport 2025 nahmen 41 Prozent der Berechtigten innerhalb eines Dreijahreszyklus den Check-up wahr – gegenüber 33 Prozent vor der Reform [2].
Auffällig: Frauen nutzen den Check-up häufiger als Männer (48 vs. 34 Prozent). Und: Der Übergang von 35 auf 18 (Check-up ab 18 einmalig, dann erst wieder ab 35) hinterlässt eine Lücke für junge Erwachsene zwischen 18 und 35 – eine Kritik, die Ärzteverbände regelmäßig äußern [2].
Warum viele den Check-up auslassen
Mehrere Faktoren spielen eine Rolle:
Mangelndes Bewusstsein (“Ich fühle mich gesund”), fehlende Erinnerung (kein automatisches Recall-System in Deutschland), Ängst vor Diagnosen und organisatorische Hürden (Terminvergabe, Wartezeiten).
In anderen Ländern wie Schweden oder den Niederlanden gibt es aktive Einladerungs-Systeme, bei denen Patienten automatisch zum Check-up eingeladen werden. In Deutschland liegt die Initiative beim Patienten selbst [3].
Was der Check-up nachweislich bewirkt
Die Evidenz ist gemischt. Eine Cochrane-Analyse (Krogsboll et al., aktualisiert 2024) findet keine belastbaren Belege dafür, dass allgemeine Gesundheits-Checks die Gesamt- oder Krebssterblichkeit senken [4]. Gleichzeitig zeigen nationale Daten, dass bestimmte Risikofaktoren (z. B. Bluthochdruck) durch Check-ups früher erkannt werden.
Der Konsens unter Fachärzten: Der Check-up ist kein Wundermittel, aber ein sinnvoller Einstieg – vor allem, um Gespräche über Lebensstil und Prävention zu führen.
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Quellen
[1] Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen für Erwachsene. https://www.g-ba.de
[2] Barmer. Gesundheitsreport 2025: Prävention und Vorsorge in Deutschland. https://www.barmer.de/gesundheitsreport
[3] Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE). Inanspruchnahme von Präventionsleistungen. https://www.gbe-bund.de
[4] Krogsboll LT et al. "General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease." Cochrane Database. 2024. https://www.cochranelibrary.com
