Ein neuer Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2025 macht die globale Dimension des Problems deutlich: Rund 1,28 Milliarden Menschen weltweit leiden an Bluthochdruck – die häufigste Ursache für vorzeitigen Herztod und Schlaganfall. In Deutschland sind laut Hochdruckliga etwa 20 bis 30 Millionen Menschen betroffen, viele davon ohne gesicherte Diagnose.

Neue ESC-Leitlinie 2024: Grenzwert bleibt bei 140/90 mmHg

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat 2024 ihre aktualisierten Leitlinien für arterielle Hypertonie veröffentlicht. Der Diagnose-Grenzwert bleibt bei 140/90 mmHg – anders als in den USA, wo seit 2017 bereits 130/80 mmHg als Hypertonie-Grenze gilt [2]. Neu ist die verstärkte Betonung des kardiovaskulären Gesamtrisikos: Blutdruck allein genügt nicht für Therapieentscheidungen, es zählen auch Alter, Diabetes, Nierenerkrankungen und Vorerkrankungen.

Besonders betont wird die 24-Stunden-Blutdruckmessung (ABPM) als genauere Alternative zur Praxismessung. Weißkittel-Hypertonie (erhöhte Werte nur beim Arzt) und maskierte Hypertonie (normale Praxiswerte, aber erhöht zuhause) können so zuverlässiger erkannt werden.

Globale Trends: WHO-Bericht 2025

Der WHO-Bericht 2025 zeigt: In den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Hypertoniker weltweit verdoppelt. Gleichzeitig ist die Behandlungsrate in vielen Ländern deutlich gestiegen. Vor allem in Hocheinkommensstaaten sind heute mehr als 50 Prozent der Betroffenen medikamentös eingestellt. Dennoch bleibt ein gravierendes Problem: Rund 46 Prozent aller Betroffenen weltweit wissen nichts von ihrer Erkrankung [1].

In Deutschland zeigt der Herzbericht 2025 der Deutschen Herzstiftung, dass Herzerkrankungen nach wie vor die häufigste Todesursache sind – und Bluthochdruck der größte modifizierbare Risikofaktor [3]. Die Prognose für 2026 ist positiv: Neue Medikamentenkombinationen, verbesserte digitale Blutdruckmessung und patientengerechte Apps sollen die Therapietreue verbessern.

Behandlung: Wann Medikamente, wann Lebensstil?

Laut ESC-Leitlinie 2024 sind bei Werten zwischen 130–139/85–89 mmHg (Hochnormaler Blutdruck) zunächst Lebensstiländerungen empfohlen: Gewichtsreduktion, Salzreduktion auf unter 5 g/Tag, regelmäßige Ausdauerbewegung (150 Minuten/Woche), Rauchstopp und moderater Alkoholkonsum [2].

Ab einem Blutdruck über 140/90 mmHg bei mittlerem oder hohem kardiovaskulärem Risiko wird in der Regel medikamentöse Therapie empfohlen. Erstlinientherapeutika sind ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB) in Kombination mit einem Kalziumantagonisten oder Diuretikum. Fixe Kombinationspräparate verbessern die Adhhärenz erheblich.

Neue Entwicklungen 2025/2026

Ein 2025 in Die Nephrologie veröffentlichter Übersichtsartikel hebt zwei Trends hervor: Erstens gewinnen renale Denervierungsverfahren (Nierennerv-Ablation) bei therapieresistenter Hypertonie an Bedeutung, nachdem große Studien wie RADIANCE-HTN und SPYRAL-HTN-ON-MED positive Langzeitergebnisse zeigten [4]. Zweitens ermöglicht die zunehmende Verbreitung von App-verbundenen Blutdruckmessgeräten eine kontinuierlichere Monitoring-Infrastruktur – relevant für ältere Patienten und Menschen mit hohem Risiko.

Was bedeutet das für die Prävention?

Die wichtigste Botschaft aus WHO-Bericht und ESC-Leitlinie: Bluthochdruck ist in vielen Fällen vermeidbar und behandelbar – aber nur, wenn er erkannt wird. Regelmäßige Kontrollmessungen ab dem 40. Lebensjahr, vor allem bei Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes oder familiärer Vorbelastung, sind die wichtigste Präventionsmaßnahme.

Quellen

Tipp: Hoher Blutdruck entwickelt sich oft schleichend. Regelmäßige Kontrollmessungen sind der wichtigste Schritt zur Früherkennug. Jetzt ausprobieren →