Bluthochdruck: Was die neue ESC-Leitlinie 2024 ändert
Rund 35 Millionen Menschen in Deutschland haben Bluthochdruck – aber weniger als die Hälfte hat ihn unter Kontrolle. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat ihre Leitlinie 2024 grundlegend erneuert: neue Grenzwerte, neue Behandlungsphilosophie, ergänzt durch einen DGK-Kommentar von 2025 [1].
## Drei Blutdruckkategorien statt zwei
Die neue ESC-Klassifikation [2]:
- **Nicht erhöhter Blutdruck:** unter 120/70 mmHg
- **Erhöhter Blutdruck** (früher: Prähypertonie): 120–139/70–89 mmHg
- **Hypertonie:** ab 140/90 mmHg
"Erhöhter Blutdruck" ist nun eine eigene Kategorie, die Lebensstiländerungen erfordert – auch ohne Medikamente. Die Hypertonie-Grenze bleibt bei 140/90 mmHg.
## Heimblutdruckmessung wichtiger
Diagnose soll stärker auf Messungen außerhalb der Praxis basieren (Weißkittelphänomen). Heimmessung: Hypertonie ab 135/85 mmHg [2]. Empfohlenes Protokoll: drei Messungen morgens und abends, 3–7 Tage, im Sitzen nach 5 Minuten Ruhe.
## Kombinationstherapie von Beginn an
ESC empfiehlt nun von Anfang an Single-Pill-Kombination (zwei oder drei Wirkstoffe) [1]. DGK: "Die Empfehlung zur sofortigen Zweifachkombination ist ein Paradigmenwechsel" [1]. Kombinationen mit niedrigen Dosen sind gleich wirksam und besser verträglich als hochdosierte Monotherapie.
## Empfohlene Wirkstoffklassen (ABCD)
- **A** – ACE-Hemmer oder Sartane
- **B** – Betablocker: bei Herzinsuffizienz bevorzugt
- **C** – Kalziumantagonisten: gut verträglich besonders bei Älteren
- **D** – Diuretika: Chlortalidon/Indapamid gegenüber HCT aufgewertet
## Erweiterte Lebensstil-Empfehlungen
- Isometrisches Training (Wandsitzen, Planks) jetzt gleichwertig zu Ausdauer – Blutdrucksenkung bis 8/4 mmHg [2]
- Kaliumbetonte Ernährung (Hülsenfrüchte, Nüsse, Bananen)
- Kein Alkohol besser als wenig – jedes Glas erhöht den Blutdruck
## Warum Hypertonie so gefährlich ist
Rund jeder dritte Erwachsene in Deutschland betroffen – viele unbemerkt [3]. Hypertonie verdoppelt das Herzinfarktrisiko und verzehnfacht das Schlaganfallrisiko. Prof. Mahfoud (DGK): "Strenger und gleichzeitig pragmatischer" [1].
## Stress und Schlaf als Risikofaktoren
Chronischer Stress erhöht dauerhaft Herzfrequenz und Gefäßwiderstand. Unter 6 Stunden Schlaf pro Nacht erhöht Hypertonie-Risiko um 30 %. Schlafapnoe ist eine eigenständige Ursache für therapieresistenten Hochdruck – CPAP senkt Blutdruck erheblich.
## Wer sollte regelmäßig messen?
Ab 35 Jahren mindestens jährlich beim Hausarzt (Check-up 35, Kassenleistung). Heimgerät: 30–80 Euro. Bei über 180/120 mmHg mit Symptomen: Notruf 112 (hypertensive Krise).
Digitale Gesundheits-Apps und Telemedizin auf bestes.com/services.
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**Quellen:**
[1] DGK-Kommentar ESC-Leitlinie Hypertonie 2024 (Springer 2025): leitlinien.dgk.org
[2] ESC-Leitlinie Hypertonie 2024: springermedizin.de
[3] RKI Herz-Kreislauf-Erkrankungen: rki.de
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