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March 29, 2026
Das GINA-Update 2024 hat die Behandlung von Asthma bronchiale grundlegend verändert: Reliever-Inhalatoren mit reinem kurzwirksamem Beta-2-Agonisten (SABA) als alleinige Bedarfsmedikation sind bei Erwachsenen ab Stufe 1 nicht mehr erste Wahl. Stattdessen empfiehlt die Global Initiative for Asthma (GINA) 2024 eine niedrigdosierte Kombination aus inhalativem Kortikosteroid (ICS) und Formoterol auch als Akutmedikation. Zwei klinische Studien zeigten: Das Risiko schwerer Exazerbationen sinkt um 60–64 % im Vergleich zur reinen SABA-Therapie.
In Deutschland leben rund 8 Millionen Menschen mit Asthma bronchiale, davon etwa 2 Millionen Kinder. Trotz ausgereifter Therapiepfade haben laut GINA-Daten weniger als die Hälfte der Betroffenen eine gute Krankheitskontrolle. Ein zentraler Grund: fehlerhafte Inhalationstechnik, ungenügende Phänotyp-Diagnostik und die zu lange Fortführung veralteter SABA-Monotherapie.
GINA 2024: Warum SABA allein nicht mehr reicht
Der Paradigmenwechsel in GINA 2024 basiert auf einer zentralen Erkenntnis: Asthma ist eine chronisch entzündliche Erkrankung – auch dann, wenn Symptome fehlen. Wer nur bei Beschwerden inhaliert und auf SABA zurückgreift, behandelt ausschließlich die Bronchospastik, nicht die zugrundeliegende Entzündung.
„Selbst bei vermeintlich leichtem Asthma besteht ein signifikantes Exazerbationsrisiko“, erläuterte Prof. Helen Reddel (University of Sydney), Mitautorin der GINA-Empfehlungen. Das ICS-Formoterol-Regime adressiere diese unterschätzte Gruppe mit antiinflammatorischer Wirkung ab dem ersten Einsatz.
GINA 2024 unterscheidet zwei Therapie-Tracks: Track 1 (bevorzugt) nutzt ICS-Formoterol als Bedarfs- und bei Bedarf als Dauermedikation (MART-Strategie: Maintenance and Reliever Therapy). Track 2 bleibt für Patienten verfügbar, die einen separaten SABA-Reliever bevorzugen, kombiniert aber stets eine tägliche ICS-Dauermedikation. Die reine SABA-Monotherapie ohne jede ICS-Komponente gilt als überholt und sollte laut GINA-Empfehlung nicht mehr eingeleitet werden.
Die Diagnose von Asthma bronchiale basiert auf charakteristischen Symptomen (Pfeifen, Engegefühl, Husten – besonders nachts und morgens) und dem Nachweis einer reversiblen Atemwegsobstruktion. Spirometrie mit Bronchospasmolyse-Test (FEV1-Anstieg ≥ 12 % und ≥ 200 ml nach Salbutamol), Peak-Flow-Variabilität über 2 Wochen (> 10 % = diagnostisch relevant), Methacholin-Provokationstest bei unauffälliger Spirometrie, Allergietestung (Prick-Test, spezifisches IgE im Blut) sowie fraktioniertes exhalietes Stickstoffmonoxid (FeNO) zur Messung eosinophiler Atemwegsentzündung stehen zur Verfügung. Eine sorgfältige Differenzialdiagnose gegenüber COPD, Herzinsuffizienz und Stimmbanddysfunktion ist wichtig.
Beim DZL-Jahreskongress im August 2025 wurden neue Daten aus der All Age Asthma Cohort (Alliance-Studie) präsentiert, an der über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt sind. Ein Kernergebnis: Patienten mit eosinophilem Phänotyp, die frühzeitig eine Biologika-Therapie erhalten, weisen eine deutlich reduzierte Exazerbationsrate auf. Die Alliance-Daten bestätigen Beobachtungen aus Zulassungsstudien wie DREAM (Mepolizumab, -53 % schwere Exazerbationen) und CALIMA (Benralizumab, -51 %) und übertragen diese auf den deutschen Versorgungsalltag.
Fachleute unterscheiden heute mindestens vier klinisch relevante Asthma-Endotypen: Allergisches Asthma (Typ-2-hoch) macht 70–80 % aller Fälle aus und ist IgE-vermittelt; Therapie: ICS, bei schwerem Verlauf Omalizumab (Anti-IgE). Eosinophiles Asthma (nicht-allergen) zeigt erhöhte Bluteosinophile (≥ 300/µl) und spricht gut auf Anti-IL-5-Biologika an. Nicht-allergisches, nicht-eosinophiles Asthma ist häufig neutrophil-dominiert mit schlechter Kortikosteroid-Antwort. Das Aspirin-exazerbierte respiratorische Syndrom (AERD) reagiert auf COX-1-Hemmung mit schweren Bronchospasmen; NSAR sind streng kontraindiziert.
Für schweres unkontrolliertes Asthma (GINA-Stufe 5) stehen in Deutschland fünf zugelassene Biologika zur Verfügung: Omalizumab (Xolair, Anti-IgE) für allergisches Asthma; Mepolizumab (Nucala, Anti-IL-5) und Benralizumab (Fasenra, Anti-IL-5Rα) für eosinophiles Asthma; Dupilumab (Dupixent, Anti-IL-4Rα) bei eosinophilem Asthma mit atopischer Begleiterkrankung; sowie Tezepelumab (Tezspire, Anti-TSLP) mit dem breitesten Wirkspektrum auch bei Typ-2-niedrigem Phänotyp.
Laut mehrfach replizierten Beobachtungsstudien inhalieren bis zu 70 % der Asthma-Patienten falsch (Lavorini et al., Respir Med 2008). Häufige Fehler: zu schnelles Einatmen bei Pulverinhalatoren, fehlende Atemhaltepause nach der Inhalation, falsche Koordination beim MDI-Dosieraerosol ohne Spacer. Apotheken bieten strukturierte Inhalationsschulungen als Kassenleistung an. Das DMP Asthma (Disease Management Program) reduziert Notaufnahmebesuche nachweislich um bis zu 40 %.
Asthma ist nicht heilbar, bei korrekter Therapie aber in über 90 % der Fälle gut kontrollierbar. Inhalationstechnik in der Apotheke überprüfen lassen, mit dem Lungenfacharzt eine Endotyp-Diagnostik (Blut-Eosinophile, FeNO) besprechen und bei schwerem unkontrolliertem Verlauf die Biologika-Option aktiv ansprechen. Pneumologen, Allergologen und Asthma-Schulungszentren in der Nähe sind auf bestes.com zu finden.
Quellen: GINA 2024 ginasthma.org | Alliance-Studie DZL/DAAB Aug 2025 daab.de | GINA 2024 Update iforumrx.org | AWMF NVL Asthma register.awmf.org | Deutsches Ärzteblatt Asthma Endotypisierung
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