Rund fünf Millionen Menschen in Deutschland haben Arthrose – und die Zahl steigt mit der alternden Bevölkerung. Die aktuellen OARSI-Leitlinien 2024 betonen: Nicht Kortison-Spritzen oder Operationen stehen am Anfang der Therapie, sondern Bewegung. Doch in der Praxis wird dieser Grundsatz noch immer zu wenig umgesetzt.[1]
Was bei Arthrose wirklich wirkt
Arthrose ist der degenerative Abbau von Gelenkknorpel. Knie, Hüfte und Hände sind am häufigsten betroffen. Der wichtigste Therapiebaustein laut OARSI und EULAR: regelmäßige, gelenkschonende Bewegung – dreimal wöchentlich 30 Minuten Schwimmen, Radfahren oder Walking. Studien zeigen eine Schmerzenreduktion um 20 bis 30 Prozent, vergleichbar mit medikamentöser Therapie (NNT=3). Gleichzeitig baut Gewichtsverlust Gelenkbelastung ab: Pro verlorenem Kilogramm sinkt der Druck auf das Kniegelenk um vier Kilogramm.[1]
Medikamentös sind topische NSAR-Gele (auf die Haut aufgetragen) die erste Wahl – mit weniger systemischen Nebenwirkungen als Tabletten. Intraartikulare Kortison-Injektionen lindern akuten Schmerz für drei bis sechs Monate, sollten aber nicht häufiger als drei- bis viermal jährlich erfolgen. Hyaluronsäure-Injektionen zeigen moderate Wirksamkeit bei leichter Arthrose. Glukosamin und Chondroitin-Präparate hingegen sind nach der GAIT-Studie nicht wirksamer als Placebo und werden von aktuellen Leitlinien nicht empfohlen.[2]
Wann eine Gelenkprothese sinnvoll ist
Bei fortgeschrittener Arthrose (Grad 3–4 nach Kellgren-Lawrence) ist der Gelenkersatz der Goldstandard. Hüftendoprothesen haben eine Zehn-Jahres-Überlebensrate von über 95 Prozent, Knie-Endoprothesen von 85 bis 90 Prozent. Arthroskopien hingegen sind bei reiner Arthrose – ohne mechanische Blockade durch einen Meniskus-Riss – nicht indiziert; mehrere Studien zeigen keinen Vorteil gegenüber Scheinoperationen. Expertenemp-fehlung: Vor jeder OP mindestens sechs Monate konservative Therapie inklusive Physiotherapie.[1]
Forschende erproben derzeit regenerative Ansätze wie Stammzell- und Knorpelzelltransplantation (MACI) – diese sind jedoch noch nicht Kassenleistung und zeigen erst in frühen Stadien Potenzial.
💡 Tipp: Gelenkschmerzen regelmäßig dokumentieren – wann sie auftreten, wie stark sie sind und welche Bewegungen sie auslösen. Das unterstützt die Diagnose und das Therapiegespräch. Gesundheitstagebuch in der Bestes App →
Quellen:
[1] Bannuru RR et al. „OARSI guidelines for the non-surgical management of knee, hip, and polyarticular osteoarthritis.“ Osteoarthritis Cartilage 2024; 32(2):55–96. doi.org
[2] Hochberg MC et al. „American College of Rheumatology 2012 recommendations for the use of nonpharmacologic and pharmacologic therapies in osteoarthritis.“ ACR 2012. rheumatology.org
