arthrose.de

Arthrose: Neue S3-Leitlinie Gonarthrose 2025 setzt auf Bewegung statt OP – was jetzt gilt

March 29, 2026

Die DGOU (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie) hat im Mai 2025 die neue S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Gonarthrose veröffentlicht (AWMF-Register-Nr. 187-050, gültig bis Juli 2029). Sie ersetzt die bisherige S2k-Leitlinie und setzt klare neue Schwerpunkte: Bewegungstherapie vor Operation, Eigenverantwortung der Patienten und nachhaltige Behandlungsstrategien. Für rund 8 bis 10 Millionen Menschen in Deutschland, die an Kniearthrose leiden, sind das relevante Neuerungen.

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung weltweit. Der Knorpelabbau ist nicht heilbar, aber seine Beschwerden lassen sich mit der richtigen Therapie gut kontrollieren. Lange Zeit dominierten Hyaluronsäure-Injektionen, Knorpelschutzpräparate und frühe Operationsindikationen die Praxis – die neue S3-Leitlinie korrigiert dieses Bild auf der Basis aktueller Evidenz.

S3-Leitlinie Gonarthrose 2025: Was sich ändert

Die neue S3-Leitlinie stellt die Rolle der Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt. Bewegung, Gewichtsreduktion und dann individuell angepasste Therapie sind die zentralen Bausteine, heißt es in der Pressemitteilung der DGOU vom Mai 2025. Zentrale Neuerungen: Topische NSAR (Gele, Cremes) werden aufgrund des günstigen Nutzen-Risiko-Profils als Mittel der ersten Wahl bei der medikamentösen Therapie empfohlen. Orale NSAR bleiben bei unzureichender Wirksamkeit möglich, unter Beachtung kardiovaskulärer und gastrointestinaler Kontraindikationen. Von einer routinemäßigen Therapie mit Paracetamol und schwach wirksamen Opioiden wird ausdrücklich abgeraten. Hyaluronsäure-Injektionen erhalten keine Routineempfehlung mehr aufgrund heterogener Evidenz. Erstmals fließen Nachhaltigkeitsaspekte in die Bewertung von Behandlungsoptionen ein.

Diagnose: Wie wird Arthrose festgestellt?

Die Gonarthrose-Diagnose basiert auf klinischer Untersuchung (Gelenkschmerz, Steifigkeit, Krepitation, Bewegungseinschränkung) und Bildgebung. Standard ist das Röntgenbild in zwei Ebenen, das die Gonarthrose nach Kellgren und Lawrence in 4 Schweregrade einteilt: Grad I zeigt minimale Osteophyten, Grad II deutliche Osteophyten mit möglicher Gelenkspaltverschmälerung, Grad III multiple Osteophyten und ausgeprägte Gelenkspaltverschmälerung sowie Grad IV vollständigen Gelenkverlust. Eine MRT ist bei unklarem Befund oder zum Ausschluss anderer Pathologien indiziert. Laborparameter (CRP, Harnsäure) helfen beim Ausschluss entzündlicher Arthritiden wie rheumatoider Arthritis oder Gicht.

Was wirklich hilft: Die Evidenzlage

Bewegungstherapie ist die einzige Intervention, die laut OARSI-Empfehlungen sowohl Schmerz als auch Funktion bei Kniearthrose langfristig verbessert. Physiotherapeutisches Kraft- und Ausdauertraining zeigt in Metaanalysen konsistente Effekte. Wichtig: Nicht die Bewegung schadet dem Knorpel – Inaktivität beschleunigt den Abbau, da der Gelenkknorpel seine Nährstoffe durch Kompressions- und Entlastungszyklen aufnimmt. Strukturiertes Training kann ambulant (Physiotherapie, GKV-erstattungsfähig) oder in Rehasport-Gruppen stattfinden.

Gewichtsreduktion: Entlastung mit großem Effekt

Bei übergewichtigen Patienten ist Gewichtsreduktion ein zentraler Therapiebaustein. Jedes Kilogramm Körpergewicht weniger entlastet das Kniegelenk beim Gehen um das Vier- bis Siebenfache. Eine moderate Reduktion von 5 bis 10 Prozent des Körpergewichts hat nachgewiesene Effekte auf Schmerz und Funktion bei Gonarthrose.

OARSI 2026 World Congress: Neue Therapieansätze in Sicht

Auf dem OARSI World Congress on Osteoarthritis 2026 werden neue Therapiekonzepte vorgestellt. IL-1-Inhibitoren wie Anakinra zeigen beim entzündlichen Arthrose-Phänotyp in einer Metaanalyse signifikante Schmerzlinderung. Levicept, ein selektiver Anti-NGF-Antikörper, bereitet internationale Phase-III-Studien vor; NGF (Nerve Growth Factor) ist ein zentraler Schmerzmediator bei Arthrose.

Physiotherapie und Rehasport: Praktische Umsetzung

Die Verordnung von Physiotherapie ist bei gesicherter Gonarthrose eine GKV-Leistung. Ärzte können Heilmittelrezepte (KG, KGG) ausstellen. Zusätzlich können Versicherte an Rehasport-Gruppen teilnehmen (GKV übernimmt bis zu 50 Einheiten, Hausarzt-Verordnung nötig). Aquajogging und Wassergymnastik sind besonders gelenkschonend. Wichtig: Physiotherapie entfaltet ihre Wirkung erst nach mehrwöchiger regelmäßiger Anwendung. Kniebandagen und Orthesen können bei Instabilität oder Achsfehlstellung sinnvoll sein.

Wann ist eine Knie-TEP sinnvoll?

Trotz des Fokus auf Konservativtherapie bleibt die Knie-Totalendoprothese (TEP) eine wirksame Option bei ausgeprägter Gonarthrose. Indikationskriterien nach S3-Leitlinie 2025: radiologisch fortgeschrittene Gonarthrose (Kellgren-Lawrence-Grad III–IV), vollständig ausgeschöpfte konservative Therapie über mindestens 6 Monate, deutliche Beeinträchtigung von Lebensqualität und Funktion sowie fehlendes Ansprechen auf Physiotherapie und Schmerztherapie. In Deutschland werden jährlich rund 170.000 Knie-TEPs eingesetzt (Statistisches Bundesamt 2023). Die Revisionsrate nach 10 Jahren liegt laut Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) unter 10 Prozent.

Was Betroffene jetzt tun können

Arthrose lässt sich nicht heilen, aber mit der richtigen Strategie gut managen. Gezieltes Kraft- und Ausdauertraining aufnehmen. Bei Übergewicht eine moderate Gewichtsreduktion anstreben. Bei akuten Beschwerden topische NSAR als erste Wahl; orale NSAR nur kurzfristig. Hyaluronsäure-Injektionen nicht routinemäßig einfordern. Eine Knie-TEP erst nach vollständiger Ausschöpfung konservativer Optionen in Betracht ziehen. Orthopäden, Physiotherapeuten und Arthrose-Spezialisten in der Nähe sind auf bestes.com zu finden.

Quellen: DGOU Mai 2025 dgou.de | AWMF S3-Leitlinie Gonarthrose 187-050 register.awmf.org | AkdÄ 2025 akdae.de | OARSI 2026 congress.oarsi.org | Statistisches Bundesamt destatis.de

Quelle lesen →

Verwandte Unternehmen

Unternehmensliste wird hier als Collection List eingefügt