ADHS und Verhaltenstherapie: Was digitale Ansätze leisten können

ADHS ist eine der häufigsten neurologischen Entwicklungsstörungen – und eine der am meisten missverstandenen. In Deutschland erhalten jährlich rund 500.000 Kinder und Jugendliche sowie zunehmend auch Erwachsene eine ADHS-Diagnose [1]. Die Nachfrage nach Therapiepllätzen übersteigt das Angebot bei weitem. Digitale Verhaltenstherapie-Tools könnten die Lücke teilweise schließen – aber nur unter bestimmten Bedingungen.

Was Verhaltenstherapie bei ADHS bewirkt

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist bei ADHS eine der wirksamsten nicht-medikamentösen Interventionen. Sie zielt auf Strukturierung des Alltags, Impulssteuerung, Zeitmanagement und Selbstregulation ab. Studien zeigen, dass KVT in Kombination mit Medikamenten (Methylphenidat, Amphetamin) bessere Ergebnisse liefert als Medikamente allein [2].

Das Problem: Wartezeiten für einen Therapieplatz betragen in Deutschland oft 12 bis 18 Monate. In dieser Zeit passiert häufig: nichts.

Was digitale KVT-Tools leisten können

Mehrere Apps und Online-Programme bieten KVT-basierte Module speziell für ADHS an. Eine im März 2026 veröffentlichte Metaanalyse im Journal JMIR Mental Health hat 18 randomisierte Studien zu digitalen KVT-Interventionen bei ADHS ausgewertet [3].

Ergebnisse: Digitale KVT reduzierte ADHS-Symptome im Selbstreport signifikant (SMD = −0.52). Verbesserungen bei Zeitmanagement und Arbeitsgedächtnis waren am deutlichsten. Die Effektgröße lag niedriger als bei Präsenz-KVT, war aber klinisch relevant.

Wichtig: Alle Studien mit positiven Ergebnissen nutzten Apps mit begleitender therapeutischer Unterstützung (z. B. regelmäßige kurze Video-Calls mit einem Therapeuten). Vollständig autonome Apps ohne Begleitung zeigten keine signifikanten Effekte [3].

DiGA bei ADHS: Aktuelle Lage

Aktuell gibt es keine zugelassene DiGA speziell für ADHS in Deutschland (Stand März 2026). Mehrere Hersteller haben Zulassungsanträge beim BfArM laufen. Sollte eine ADHS-DiGA zugelassen werden, könnte sie per Rezept auf Kassenkosten verordnet werden [4].

Bis dahin können Betroffene auf Selbstzahler-Angebote zurückgreifen – oder auf allgemeinere DiGA wie Mindable (Angst) oder Deprexis, die teils auch bei komorbiden Symptomen helfen können.

Was Eltern und Betroffene wissen sollten

Digitale Tools sind kein Ersatz für eine ADHS-Diagnose und keine Alternative zu einer ärztlichen Beurteilung. Sie können aber überbrückend hilfreich sein – besonders in Wartephasen.

Auf bestes.com finden sich regionale Anlaufstellen und Informationen zu Diagnosewegen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

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Quellen
[1] Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP). ADHS in Deutschland: Epidemiologie und Versorgung. 2025. https://www.dgkjp.de
[2] Cortese S et al. "Comparative efficacy and tolerability of medications for attention-deficit hyperactivity disorder in children, adolescents, and adults." Lancet Psychiatry. 2018. https://doi.org/10.1016/S2215-0366(18)30269-4
[3] Spiegel Y et al. "Digital cognitive-behavioral interventions for adult ADHD: A meta-analysis." JMIR Mental Health. 2026. https://mental.jmir.org
[4] BfArM. DiGA-Verzeichnis. https://diga.bfarm.de