Ketogen, Intervallfasten, weniger essen: Drei Ernährungsansätze, die in Ratgebern und Social-Media-Kanälen als Wundermittel gegen Übergewicht gehandelt werden. Die Klinik für Endokrinologie am Universitätsspital Zürich (USZ) hat alle drei verglichen – und kommt zu einem nüchternen Fazit: Keine eignet sich dauerhaft ohne ärztliche Begleitung.

FDH: Einfach, aber riskant auf Dauer

Die sogenannte FDH-Methode („Friss die Hälfte“) ist konzeptionell simpel: Man isst normal weiter, reduziert aber die Portionsgrößen auf die Hälfte. Der Vorteil liegt auf der Hand – keine komplizierten Regeln, keine Lebensmittelverbote. Doch die Endokrinologen am USZ warnen: Bei dauerhafter Anwendung sei die Gefahr von Mangelerscheinungen relativ groß. Wer pauschal weniger isst, ohne auf Nährstoffdichte zu achten, riskiert Defizite bei Vitaminen, Mineralstoffen und Proteinen.

Intervallfasten: Sozial schwer vereinbar

Beim Intervallfasten wechseln sich Ess- und Fastenfenster ab – populäre Varianten sind 16:8 (16 Stunden Fasten, 8 Stunden Essen) oder das 5:2-Modell (fünf normale Tage, zwei sehr kalorienarme Tage). Einige Studien zeigen positive Effekte auf Blutzucker und Blutfettwerte. Das USZ sieht jedoch einen wesentlichen Haken: Lange Fastenfenster sind schwer mit einem normalen Alltag vereinbar und können zu Heißhungerattacken und übermäßigem Essen in den Essfenstern führen. Für eine nachhaltige Gewichtsreduktion sei Intervallfasten deshalb weniger geeignet.

Ketogene Diät: Kurzfristig wirksam, langfristig riskant

Die ketogene Ernährung ist die radikalste der drei Methoden. Kohlenhydrate werden auf ein Minimum reduziert – meist unter 50 Gramm täglich –, während Fett und Eiweis den Hauptteil ausmachen. Dadurch gerät der Körper in den Zustand der Ketose und verbrennt statt Glukose Fettsäuren. Kurzfristig kann das beim Abnehmen helfen. Die Risiken sind laut USZ jedoch erheblich: Gefäßablagerungen erhöhen das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt. Die erhöhte Harnssäureproduktion begünstigt Gichtanfälle. Die einseitige Ernährung kann zu Mangelerscheinungen führen. Die ketogene Diät sollte deshalb nur unter ärztlicher Aufsicht und mit klarer medizinischer Indikation durchgeführt werden.

Was wirklich hilft

Das Fazit des USZ ist unbequem für alle, die eine schnelle Lösung suchen: Keine der drei gängigen Diäten empfiehlt sich als langfristige Strategie ohne Begleitung. Was tatsächlich hilft, ist eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung mit angemessenem Kaloriendefizit – kombiniert mit regelmäßiger Bewegung. Wer strukturierte Unterstützung beim Abnehmen benötigt, sollte das Gespräch mit einer qualifizierten Ernährungsberatung oder dem Hausarzt suchen, bevor eine der genannten Methoden eigenständig umgesetzt wird.

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Quellen

[1] Klinik für Endokrinologie, Universitätsspital Zürich. usz.ch